Getaggt mit Transparenz

Social Media Mark. Bist Du blöd oder was?


Vielleicht rede ich mit mir selber, aber wofür nutzt uns die errungene Möglichkeit des Bloggens, wenn wir auch nicht das tun können, so ganz transparent, vertrauenswürdig, offen, aus dem Bauch heraus wie mit sich selbst? Ohne das Versprechen des Titels würdigen zu müssen. Ohne darauf zu achten, dass man Information, Unterhaltung und Mehrwert bietet. Oder sogar, dass man es kostenlos anbietet, ohne die eigene Seele zur Rechnung zu tragen. Bevor ich zum Thema komme, verspreche ich es, dass ich nicht mehr darüber schreiben werde.

Ab jetzt werden einige Befürchtungen wahr, denn ich rede erst wieder über Facebook.

Stopp! Mir geht es nicht  darum, dass Facebook als Geschäftsmodell offensichtlich was dabei verdienen möchte. Das kann und soll es von mir aus ruhig tun. - Amazon wird bald eher transparenter und viel besser machen -. Facebook dient uns, keine Frage!  Sondern, meine gestörte Aufmerksamkeit richtet sich nunmehr, und auch noch dazu, auf die Versprechung von Sicherheitsgarantien auf Kosten von Handynummern.

Tja…Wie Sie es (in den Links) lesen können, ist es wie in der Politik. Da muss man einmal an der “Macht“ sitzen bzw. mit Millionen Nutzern an der Backe, ein ganzes Land von Untertanen und es reicht,  wie von Geisterhand, um die alten Methoden des Volksbetrugs wieder anzuwenden. Sei es bei überfinanzierten Bauvorhaben mit zukunftsweisenden Perspektiven für das Volk, wie in meinem Heimatland beispielsweise immer der Fall war, oder eben durch ausgeklügelte Lügen bei obskuren Absichten bestimmter Online-Netzwerke, die sich mit der Zeit anhäufen. Am Ende steht das Geld und damit die grenzenlose Betrügerei.

Aber wer betrügt hier wen eigentlich?

Erst wird eine Vision versprochen, die Seele verkauft und die Menschen betrogen. Es ist alles dasselbe, immer wieder kehrendes, Mistkonstrukt. Es erweist sich allerdings als sehr erfolgreich. Man bekommt am Ende sicher, was man anstrebt. Auf einer Seite ärgere ich mich tiefgründig, wie man sieht. Aber auf der anderen Seite sollen wir alle eine Lektion mit nach Hause nehmen. Sie können uns als blöd behandeln, soweit wir uns als blöd behandeln lassen. Dabei hilft schon allein das Erkennen der eigenen Blödheit. Wenn er nicht seine eigene erkennt, sollen wir es zumindest bei unserer tun. Schließlich richtet sich der Herr “MarkT“ an den Konsumenten! Oder richten sich die Konsumenten an Herrn „MarkT“? So, damit wären wir beim Titel.

Das Vertrauen leidet massig

Oben habe ich Ihnen was versprochen, als ich Ihnen sagte, ich spreche nicht mehr darüber. Ich kreuzte dabei nicht die Finger hinter meinem Rücken. Mit 40 Seiten AGB und 500 Stundenlöhne von Reichsanwälten wäre es mir sicherlich einfacher. Meinem Versprechen können Sie vertrauen. Ich könnte hier Enzyklopädien darüber schreiben. Das Vertrauen ist die höchste Reduktion der Komplexität. Es wäre wie im jungen Alter während der Suche nach der eigenen Hälfte (jeder weiß ja wie komplex das werden kann), bis hin zu den Verträgen, die wir mit Unternehmen, an die wir gebunden sind, abschließen. Dass wir einfach Mal „ja“ sagen, ohne etwas dabei gelesen zu haben, ist das höchste Vertrauenszeichen, die man als Unternehmen bekommen kann. Oder sind wir wirklich blöd?

Die Komplexität dient heute dazu, die Blöden von den Klugen zu trennen. Die Einfachheit wird vermieden, denn je einfacher desto transparenter. Und wer will heute transparent sein? Bloß nicht den Leuten ihre eigene Blödheit zur Erkenntnis bringen. Das ist eben nicht wirtschaftlich. Wofür sollte die Komplexität dienen, wenn nicht den Blöden das zu geben was sie verdienen? Ja richtig! Damit kann man recht viel verdienen…

Es ist höchste Zeit uns als solche zu erkennen. Damit wäre die Sache erledigt insoweit, dass wir es dann wissend erlauben. Bei den Kings und Queens von „früheren“ Zeiten ging es nicht anders. Und schon sind wir beim Bild des Artikels. Woran liegt das Problem? An dem System, das uns belehrt, dass die Ansammlung von Tauschmitteln wichtiger ist als unsere wesentliche Natur?  Wonach streben WIR eigentlich?

Vernetzt euch!

Getaggt mit , , , , , ,

Können wir uns darauf einigen…?


Einer meiner Leitungskurse war Mathematik. Ich war nie besonders gut in Mathe (bzw. eher faul und zu aufmüpfig), aber es gab zwei Sachen, die ich daran praktikabel fand:

  1. Es gibt lediglich richtig und falsch. Grauzonen sind in einer Matheklausur definitiv nicht vorhanden. Entweder das Ergebnis stimmt oder eben nicht.
  2. Es ist simpel. Natürlich nicht die Berechnung dreidimensionaler Kugelscharen, aber die Basics. Irgendwann war einfach Schluss mit beweisen und man musste akzeptieren, dass 1+1=2 ist – sonst kommt man ja auch zu nix.

In unserem heutigen Social Media Knäuel fehlt beides. Statt einfach selbst darauf zu achten, was bei ihnen funktioniert und was nicht, ergehen sich Unternehmen und Berater in Entschuldigungen, Möglichkeiten, Theorien. Alles natürlich getragen von meinen Erzfeinden den “Studien“. Das wäre gar nicht so schlimm, würde das denn wirklich helfen. Allerdings haben wir es mit Menschen zu tun und die sind naturgemäß nunmal leider größtenteils unterschiedlich (ich weiß, was fällt denen ein?!). Wer da die “harten Fakten zum Erfolg” kennt, weiß sicherlich auch den perfekten Anmachspruch.

Das geht Hand in Hand mit der hausgemachten Verkomplizierung der ganzen Geschichte. Natürlich bietet Social Media aus der Natur der Sache heraus einfach Myriaden an neuen Variablen. Früher hieß “Customer Journey”, dass man mit einem Produkt mal besser, mal schechter in Berührung gebracht wird, in den Laden geht, sich beraten lässt (oder auch nicht), einkauft und geht. Heute könnte man theoretisch nahezu jeden Kontakt, jeden Schritt seiner Kunden begleiten und beeinflussen. Und das wird natürlich von vielen Wasserköpfen als Rechtfertigung genutzt, recht einfache Vorgänge unnötig zu komplizieren (wie sollte man auch sonst 500€/Kopf/Tag abrechnen sollen?). Aus 1+1=2 wird x1/y+(yz+1)=log25*10^-24

Entwirrung!

Und ja, ich versteh das alles auch. Manchmal sitz ich ebenfalss ne Stunde hier und versuch mein Gehirn wieder zu entwirren, weil ich mich im Social Media Netz verheddert hab – ein Netz, das ich selbst geknüpft habe. Umso wichtiger ist es, dass wir das Schlangenöl wegpacken und uns jetzt bitte endlich mal wieder auf ein paar einfache, logische Regeln besinnen.
Können wir uns also darauf einigen, dass

  • fröhliche Kunden mehr und öfter etwas kaufen insgesamt wertvoller sind als nicht fröhliche Kunden?
  • vom Hocker gehauene Kunden die besseren fröhlichen Kunden und das beste Marketing sind?
  • Vertrauen durch Ehrlichkeit, Authentizität, Transparenz, persönlichen Kontakt und Wertschätzung aufgebaut wird?
  • Wertschätzung bereits bei einem guten, vom Kunden her gedachten Produkt anfängt?
  • Menschen mit Menschen Beziehungen aufbauen und nicht mit Logos?
  • persönliche, positive Beziehungen die beste Kundenbindung sind, weil sich der Kunde freiwillig bindet?
  • dementsprechend Menschen die neuen Plakatwände sind und alles mit ihnen steht und fällt?
  • Vertrauen zu und gute Beziehungen mit diesen Menschen Kunden vom Hocker hauen?

Statt also jeden Furz zu zerreden, sollte man sich lieber mal wieder an diese ganz einfachen, logischen und eigentlich selbstverständlichen Axiome halten. Dass es wirklich Menschen/Agenturen gibt, die auch nur EINE SEKUNDE Arbeit darauf verwenden, zu “beweisen”, dass persönliche Empfehlungen ein starkes Kaufkriterium sind, ist unbeschreiblich lächerlich! Das muss man nicht beweisen. Da überlegt man 5 Sekunden!

Was steht als nächstes auf der Liste? Dass 84% aller 120 Befragten nicht bei Unternehmen kaufen, die sie wie den letzten Dreck behandeln? Dass man nicht den introvertierten IT-Nerd an die vorderste Servicefront packt? Dass ein Produkt einen lieber nicht umbringen sollte, weil das zu negativen Bewertungen führt? Wundern würde es mich jedenfalls nicht.

Können wir uns darauf einigen, dass wir die heiße Luft aus dem Ballon lassen und aufhören, wie ein paar Pseudodoktoranten die simpelsten Tatsachen mit pseudowissenschaftlichem Scheiß bis zur Unkenntlichkeit zu zertrümmern?

Danke!

Über eure Erweiterungen der Liste würde ich mich übrigens sehr freuen… euch fällt da bestimmt noch was ein :)

Über den Autor

Ich bin der Karsten. Unter dem schmissigen Titel “HellYeah Marketing” entdecke und entwickel ich Social Media Potenziale bei Unternehmen und stelle sicher, dass sie das alles auch richtig umsetzen.
Ausserdem twittere ich gern Quatsch, esse sehr gerne Kuchen und liebe jeden einzelnen meiner Fans und Follower (Wirklich! Ich würd glatt bei jedem mit der Gitarre unterm Fenster stehen und Liebeslieder singen…).”

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Ahnungslose Anlageberater, Produktwirrwahn und die In- transparenz. Wo liegt das Problem der Banken?


Spätestens nach Anfang der Finanzkrise ist es nun klar:  Mit den hoch polierten verfremdenden angekleideten Auftritten, Intransparenz, dem Kleingedruckten, der Ahnungslosigkeit der Berater und gepflegter Distanz haben Banken viele immer wieder in die Falle der Hochrendite verführt.  Nun haben sie eine weltweite Finanzkrise verursacht und auch noch unser Vertrauen verloren. Was tun?

Die Versuche das Vertrauen zurück zu erobern sind zahlreich. Was aber einige Banken mit bestimmten Aktionen zu bewältigen versuchen, ist nicht mehr auf diese Art zu bewältigen. Beispielsweise Q110 . Dabei wird es in einer Filiale der Zukunft…Moment…Filiale?

„Warum aber werden in den kommenden Jahren von den derzeit – glaubt man offiziellen Statistiken – rund 24.000 Bankfilialen in Deutschland, bis zum Jahr 2020 die Hälfte verschwinden? Klar, weil es wenig Sinn macht, eine hoch getunte Filiale wie die Q 110 aufzusuchen, deren Charme irgendwo in einer hybriden Erlebniswelt zwischen Ikea-Kindergarten, McDonalds, einem Drei-Sterne-Restaurant und einem Kinder-Forschungslabor, und nicht zu vergessen, einem Tschibo-Einkaufsladen stecken bleibt.“ – Lothar Lochmaier in seinem Artikel : Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten

Apropos Kinder-Forschungslabor, das erinnert mich an etwas: Lieber Kinder von Banken fern halten, vielleicht sind sie ja viel zu beratungsresistent und gefährden damit die Bankenstabilität (1)  :)

Hier das Video von Q110.  Dabei erkennen sie zumindest selbst, dass Q110  nicht nach einer Bank aussieht.  Was dort als Vorteil verkauft wird, riecht für mich nach Gold-Glänzender Ablenkung. Ob das irgendeinen Vorteil bringt, ist für mich fragwürdig. Ist das die „Zukunft des Bankgeschäfts“? Ich gehe nicht zu einer Bankfiliale um einen Latte Macchiato  zu trinken oder ein Buch zu kaufen, das ist schon mal sicher. Geht ein Wolf zu einer Herde weißer Schafe um „Bäähh“ sagen zu lernen?

Schwerpunkt eindeutig verfehlt! Mir scheint es so, dass das Problem ganz woanders liegt. Bei dem Artikel Anlageberater haben keine Ahnung vom Handelsblatt, bringt uns ibugra, als unabhängiger Anlageberater mit seinem einsamen Kommentar, langsam auf die Spur

„Aus der Sicht eines unabhängigen Anlagerberaters würde ich sagen, dass wir eher schlecht informiert werden, was genau z.B. alles protokolliert werden soll, wie die konkrete Ausgestaltung der gesetzlichen Vorgaben ist.
Auf fachlicher Seite gibt es dagegen keine Einschränkungen. Dies sehe ich eher im Bereich der Banken, die sich mit vielen häufig unsinnigen Produkten rumschlagen müssen, die zwischen Vorstand und Kreativabteiligung “erfunden” werden.“

Wie sieht es mit dem Finanzprodukt aus, das sie uns bei Q110 verkaufen wollen? Unsinnig und hoch-komplex sodass Berater und sogar “unbewusste” Banker sie nicht mehr verstehen können? Geht es nicht um das Produkt, wenn wir uns von Banken beraten lassen? Nach einer kurzen Unterbrechung geht es mit einer Buchrezension los:

Eine kundenorientierte Bank soll sich an objektive, am Kunden interessiert ausgerichtete Beratung konzentrieren, heißt es. Und was wollen die Kunden? Einige achten exklusiv auf die höchstmögliche Rendite, in der Tat sehr verführerisch. Andere vielleicht sind mit „normalen“ Renditen zufrieden und achten viel mehr darauf wofür das Geld angewendet wird. Und stellen sich die Frage was bewirkt mein Geld außerhalb des am Ende des Jahres auf mein Konto geschütteten Mehrgeldes? An wen wurde es geliehen? Welche Branchen werden hier Unterstützt? Vielleicht ändert sich grade jetzt ganz schleierhaft dieses, wahrscheinlich ungewünschte, Verantwortungsbewusstsein der Kunden gewaltig schnell.

Gunnar hat letztens in einem Beitrag über fehlende interne Unternehmenskommunikation in Krisenzeiten etwas formuliert, dass sich wunderbar ableiten lässt wie folgt: Bankkunden wollen in Finanzkrisenzeiten detaillierter über das große Ganze informiert werden. Verweigern ängstliche Banken wichtige Informationen, werden sie die Kunden der Zukunft verlieren.

Original - „Mitarbeiter wollen in Krisenzeiten detaillierter über das große Ganze informiert werden. Verweigert eine ängstliche Führung wichtige Informationen, florieren die Buschtrommeln.“

Wir brauchen von Banken mehr Transparenz, mehr Information über die Produkte und vielleicht werden auch Anlageberater besser beraten können und vor allem die Kunden werden besser entscheiden können. Begriffe wie Kundenorientierung und Erst-Klassiger-Service werden dann erst dadurch möglich. Aber anscheinend leben und florieren einige Banken eben von dieser Intransparenz.  Noch mehr Bankfilialen mit touchscreen und Parfümerie sind dabei nicht notwendig, Kunden zufrieden zu stellen und das Vertrauen des stetig wachsenden Verantwortungsbewusstseins der Kunden der Zukunft zurückzuerobern.

Foto: Art of Feh

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Service ohne Alzheimer-Effekte: Große und kleine Organisationen versagen bei der Personalisierung im Kundendienst Von Gunnar Sohn


Bonn – Spielt die Größe eines Unternehmens eine Rolle bei der Personalisierung der Kundenservice-Leistungen? Diese Frage stellte mir Gustavo und bat mich um einen Gastbeitrag für seinen Blog, dem ich gerne nachkomme. Seine These. Je größer eine Organisation ist, desto unpersönlicher wird der Service wegen der Standardisierung. Als Beispiel könnte man den berühmten Tante-Emma-Laden oder mein Kiosk in Bonn-Duisdorf anführen. Die Inhaberin kennt meinen Namen, mein Einkaufsverhalten, meine bevorzugte Zigarettenmarke und weiß sogar einiges zu meinen Einstellungen in politischen Fragen, denn wir unterhalten uns regelmäßig ein paar Minuten über Themen, die uns zumindest im eigenen Kiez umtreiben. Zum Beispiel die Missbrauchsfälle an katholischen Schulen in Bonn. Sie besorgte mir sogar noch die Titanic-Ausgabe mit dem Papst-Titelbild, obwohl diese Ausgabe nach einer juristischen Intervention der Kirche zurückgezogen werden musste. So etwas nenne ich konspirative Kiosk-Anarchie.

Sein und Schein im Kundenservice

Was erwarte ich nun generell als Kunde von den Anbietern, die ich schon aus Zeitgründen gar nicht persönlich kennen kann und will? Zumindest annähernd eine Tante-Emma-Laden-Philosophie. Keine persönlichen Dialoge, sondern personalisierte Dienstleistungen. Das würde mich schon glücklich machen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Es dominieren immer noch Alzheimer-Effekte – besonders bei Hotline-Unternehmen. Und leider ist das nach einer Umfrage der Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne und Opinion Matters bei großen und kleinen Organisationen festzustellen.
Zwischen dem Service-Angebot der Unternehmen und den konkreten Anforderungen der Kunden besteht ein erheblicher Unterschied. So sind nur 10,7 Prozent der befragten Kunden der Meinung, dass sie bei der Kontaktierung ihres Service-Providers individuell betreut werden. Auf der anderen Seite vertritt fast die Hälfte aller Unternehmen die Ansicht, dass sie ihren Kunden einen personalisierten Service bieten. Aber nur 37 Prozent der Unternehmen erklärten, dass sie über Lösungen verfügen, die einen einheitlichen Kundenservice-Prozess über unterschiedliche Kanäle ermöglichen – obwohl auf Fachkonferenzen nun schon seit Ewigkeiten über Multichannel-Management geschwafelt wird.

50 Prozent der Kunden gaben zu Protokoll, dass Servicemitarbeiter entweder überhaupt keinen oder kaum einen konkreten Überblick über die Produkte, Lösungen oder Services haben, die man vom Anbieter nutzt. Bei der Befragung der Unternehmen hingegen zeigt sich ein anderes Bild: 68 Prozent sind der Meinung, dass sie die Bedürfnisse der Kunden verstehen und ausreichend Einblick in deren konkrete Belange haben. Die Mehrheit der Kunden betrachtet zudem die Informationen, die sie vom Kundenservice erhalten, mit Skepsis. Lediglich fünf Prozent schenken diesen Informationen volles Vertrauen. Ein echtes Desaster.
Weniger als die Hälfte aller befragten Unternehmen (48 Prozent) erklärten, dass die im Kundenservice tätigen Mitarbeiter auf alle Accounts, Produkte und Services eines Kunden über eine einzige Anwendung zugreifen können – einschließlich der gesamten Kommunikationshistorie. Erschreckend ist vor allem, dass sieben Prozent der Interviewten einräumten, dass die Servicemitarbeiter überhaupt keinen Zugriff auf Kundeninformationen haben. Diesen Wert halte ich sogar noch für niedrig. Wer gibt so etwas schon gerne zu. Eine kundenindividuelle Ansprache ist damit natürlich überhaupt nicht möglich.

Profi-Verkauf oder Internet: Der Rest stirbt

Die Call Center-Szene reagiert immer ein wenig allergisch, wenn man sie mit solchen Fakten konfrontiert. Aber die Studie zeigt deutlich, unter welchem Realitätsverlust die Service-Manager leiden. Sie sollten sich von ihrer Nabelschau-Politik verabschieden und künftig bei öffentlichen Auftritten keine Powerpoint-Weisheiten von sich geben, sondern den Dialog mit richtigen Kunden suchen. Auf der Call Center World in Berlin sollten alle Vorträge live ins Netz übertragen werden mit der Möglichkeit zur Disputation über das Social Web. Hört also auf mit den Hinterzimmer-Gesprächen und geschlossenen Veranstaltungen. Stürzt Euch in den Dialog mit den Kunden, ohne Freigabe-Prozesse, ohne Kommentar-Restriktionen und ohne Moderation. Nur so bekommt man einen klaren Blick auf die Wirklichkeit. Mich wundern die Befunde der Marktforscher überhaupt nicht, denn die Führungskräfte im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft verbringen 70 Prozent ihrer Arbeitszeit mit dem Rücken zum Kunden. Warum soll sich das ändern? Auch in sozialen Netzwerken glänzen sie mit Ignoranz. Als Ergebnis droht den Anbietern im Kundenservice das Szenario des Ex-IBM-Cheftechnologen Gunter Dueck: „Profi-Verkauf oder Internet: Der Rest stirbt“. Ich halte das für sehr realistisch.

Apps und die asynchrone Kommunikation spielen der Automatisierung in die Karten

Beschleunigt wird das durch die Virtualisierung und das Teilen von Kundenerfahrungen in sozialen Netzwerken. Hotline-Mitarbeiter oder das Personal im stationären Handel können nicht die Expertise des Internets bieten. Dabei sind die Stärken vernetzter Services über Apps noch gar nicht ausgespielt worden, so die Auffassung von Andreas Klug vom Software-Unternehmen Ityx in Köln. Er spricht von Applikationen, die verschiedene Dienste unter einer „Motorhaube“ vereinen – von der Lokalisierung bis zur Speicherung personalisierter Informationen. Nicht umsonst redet man deshalb von digitalen Assistenten:

„Schon jetzt laufen Kundenbeziehungen komplett über Apps – etwa bei Simyo. Dieser Dienst funktioniert in Echtzeit. Ich kann auf Knopfdruck in ein Forum gehen und bekomme von anderen Kunden innerhalb von wenigen Minuten eine qualifizierte Antwort auf technische Probleme. Welches Call Center kann das leisten? Das ist finanziell überhaupt nicht machbar. Firmen wie Simyo oder Samsung setzt sehr erfolgreich auf Kunden-helfen-Kunden-Effekte. Hierfür ist eine App die perfekte Plattform für den Direktkontakt mit dem Anbieter, für den Austausch mit anderen Kunden, für die Suche nach Informationen und für Einblicke in den Vertrag. Das kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit in Anspruch nehmen. Eine Hotline kann das am Samstagabend um 22,30 Uhr nicht bieten. Wir leben aber in einer Welt, wo alles sofort passieren muss. Ich will mein Problem ohne Zeitverzögerung lösen. Das merke ich in meinem eigenen Alltagsleben immer deutlicher im Umgang mit Geräten, Dienstleistungen, Versicherungen, Banken oder Reisebuchungen. Ein Problem tritt auf und ich möchte es direkt lösen“, sagt Klug im Ich sag mal-Bibliotheksgespräch

.

Ein weiterer Trend spiele der Automatisierung in die Karten: Die Renaissance der Verschriftung über Postings auf Facebook, Twitter, Foren und Blogs. Alle Branchengrößen der Call Center-Szene würden von einer deutlichen Reduktion der Telefonate ausgehen. „Früher lagen die Anrufe bei 90 Prozent, heute bestenfalls bei 50 bis 60 Prozent – mit sinkender Tendenz. Es gibt sogar weltweit operierende Konzerne der Unterhaltungselektronik, die haben ihre Call-Rate auf unter sieben Prozent verringert“, weiß der Ityx-Manager.
Gleichzeitig steige über die App-Economy und über soziale Netzwerke der Anteil der asynchronen Kommunikation mit vielfältigen Möglichkeiten für personalisierte Services und für den Einsatz lernfähiger Software. Es entstehe eine neue Kundenintimität, wenn es der Kunde möchte. So entgehe man der Facebook-Datenschutzfalle, weil es ein direktes Abkommen zwischen Anbieter und Kunde gibt. Hier reiche ein Opt-out-Verfahren. Das sei eine klassische Win-Win-Situation. Als Kunde habe ich ein Interesse, ohne Alzheimer-Effekte und Warteschleifen punktgenau bedient zu werden.

Gazprom und die Transparenz der Web-Giganten

Wichtig für die Personalisierung sind allerdings Vertrauen und Transparenz. Wenn Unternehmen wie Facebook und Google mit meinen Daten lukrative Geschäfte machen, müssen sie mich wie einen Kunden behandeln und nicht wie Daten-Vieh, das sie jederzeit schlachten können. So liegen die Web-Giganten in Fragen der Transparenz ungefähr auf dem Level von Gazprom: „Dabei verdienen ausgerechnet diese Unternehmen mit der Transparenz ihrer Kunden ihr Geld“, kritisiert Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency International Deutschland Wenn diese Konzerne sich nicht von ihrer Friss-oder-stirb-Geschäftspolitik verabschieden, wird es auch nichts mit dem lukrativen Geschäft personalisierter Dienste. Die wandern in die Apps und in die Cloud. Als Ergebnis bekomme ich einen virtuellen Concierge auf mein Smartphone und zeige den zentralistisch organisierten Plattformen die lange Nase.

Über Gunnar Sohn

Der Wirtschaftspublizist und Medienberater ist Chefredakteur des Onlinemagazins NeueNachricht. Zuvor arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach. Bei o.tel.o war Sohn Leiter des Büros Unternehmenskommunikation. Zum Magazin Neue Nachricht
Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 39 Followern an