Archiv für den Monat August 2012

Konzepte gegen die Gier – Mit Raiffeisen die Finanzkrise bewältigen


Zeichnung by Tanja Föhr

Gunnar Sohn

Bonn, 29. August 2012 – Selbst Mammutprojekte wie die Energiewende oder der Breitbandausbau lassen sich genossenschaftlich organisieren. Den postiven Effekt unterstricht die aktuelle Wirtschaftswoche-Titelstory „Wir statt Gier – Die wundersame Renaissance der Genossenschaften“. Bürger-Unternehmen dienen auch dazu, lokalen Widerstand gegen riesige Windmühlen und müffelnde Biogasanlagen zu reduzieren. Wer als Mitunternehmer an den Initiativen beteiligt ist, verhält sich konstruktiv und unterliegt nicht mehr dem Syndrom “Not In My Backyard”:

„Zu Deutsch etwa: nicht in meinem Hinterhof, nicht in meinem Vorgarten, nicht in meiner Straße…nicht dort also, wo ich lebe“, schreibt der SZ-Redakteur Gehard Matzig in seinem sehr lesenswerten Buch „Einfach nur dagegen“. „Nicht jetzt, nicht hier, nicht in meinem Hinterhof: Dieses Denken und Nichtwollen markiert das exakte Gegenteil von dem, was heute eigentlich nötig wäre“, so Matzig. Wer den eigenen Gartenzaun verabsolutiert, gefährdet wichtige Vorhaben wie die Energiewende.

Gleiches gilt für das schnelle Internet, wie Bernd Stahl vom bloggenden Quartett betont:

“Als Miteigentümer des Netzes ist man eher bereit, den Ausbau politisch mitzutragen. Entscheidend ist das dezentrale Investment. Zudem müsse nicht die gesamte Summe über Genossenschaften finanziert werden. Die großen Netzbetreiber sind jetzt schon dabei, kräftig für den Breitbandausbau zu finanzieren. Insofern könnte man eine gute Lastenteilung organisieren. Das Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2018 den flächendeckenden Breitbandausbau zu realisieren. Ohne dezentrale Initiativen ist das nicht zu erreichen.”

Für die Euro-Krisenmanager wäre es zudem ratsam, mal in die Geschichtsbücher über die Gründungsgeschichte der Genossenschaften zu schauen, um zu lernen, wie man sich von den Exzessen der Casino-Kapitalisten verabschieden kann. Siehe mein Beitrag:BWL-Schnösel und die Leiden der Realwirtschaft #Börsencrash.

Die deutsche Erfindung der genossenschaftlich organisierten Bank wäre auch ein probates Mittel gegen die anmaßende Renditesucht der Spekulanten an den internationalen Finanzplätzen. So lange die Zocker die Realwirtschaft mit den Abgrund ziehen, werden die Reformpläne für die strukturschwachen Länder in Europa nicht aufgehen, sondern genau das Gegenteil bewirken. In einer ähnlichen Situation gründete der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor rund 150 Jahren eine Darlehenskasse in der Kleingemeinde Heddesdorf im Westerwald.

“Das Ziel des Bürgermeisters und Finanzpioniers: Arme Bauern und Handwerker sollten günstige Kredite für Investitionen erhalten und ihre kärglichen Ersparnisse sicher anlegen können. Damals (wie heute, gs) zhogen dubiose Geldverleiher über die Dörfer, um in Not geratenen Landwirten und Kleinunternehmern Wucherkredite anzudrehen”, so die Wirtschaftswoche.

Um das Problem der schlechten Bonität zu lösen, setzte Raiffeisen auf das Prinzip “Hilfe zur Selbsthilfe”. Man könnte es auch nach dem Motto der “Vier Musketiere” formulieren: “Einer für alle, alle für einen”:

“Eine Gruppe Kreditbedürftiger schließt sich zusammen und stattet ihre Genossenschaften mit Haftungskapital aus. Für den Einzelnen ist die Einlage bezahlbar, doch unter dem Strich kommt ein ordentliches Kapitalpolster zusammen. Dadurch entsteht eine privat finanzierte Bank, die Geld an ihre Mitglieder verleihen kann, ohne bei Ausfällen einzelner Schuldner pleitezugehen”, erläutert die Wirtschaftswoche.

Und genau das brauchen dringend die Länder Südost-Europas, wie ich bei meiner Balkan-Exkursion festgestellt habe. Dort werden die Landwirte und Handwerker von internationalen und nationalen Banken mit so genannten Mikrokrediten übers Ohr gehauen.

Wofür Muhammad Yunus im Jahr 2006 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, hat mit dem Gebaren der Bankenwirtschaft in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens nichts mehr zu tun. Dass Mikrokredite etwa in Bosnien dringend vonnöten wären, wie sonst nirgends in Europa, belegt ein Blick in die Statistik: Die Arbeitslosenquote liegt bei 43,1 Prozent und das monatlich Pro-Kopf-Einkommen bei kläglichen 265 Euro.

Kleinstkredite, die Bedürftigen die Möglichkeit eröffnen, als Kleingewerbetreibenden sich und ihre Familien zu ernähren, werden als erfolgreiches Mittel der „Hilfe zur Selbsthilfe“ in den Regel von NGOs in Entwicklungsländer vergeben. Die Rückzahlung erfolgt in sozial akzeptabler Weise.

Auf dem Balkan jedoch geben sich die dort agierenden Banken wenig sozial. Unter dem Produktnamen „Mikrokredite“ werden Kredite an die Menschen vergeben, die sich meist anders nicht mehr zu helfen wissen: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ernteausfälle oder der Schulbesuch der Kinder führen viele Familien in den unter den Spätfolgen des Bürgerkrieges leidenden Landes häufig an die Armutsgrenze. Da hilft doch eine internationale Bank, die in Bosnien aktiv ist, schnell: Mit Mikrokrediten zu Zinssätzen zwischen 20 und 24,9 Prozent (!). Dass die meisten Kreditnehmer im finanziellen Abgrund landen, haben die Banker anscheinend einkalkuliert und die Kredite werden in den meisten Fällen nur vergeben, wenn ein Familienmitglied oder guter Freund bürgt. So werden häufig gleich zwei Familien in den Bankrott manövriert. Die bosnischen Medien berichten beinahe täglich über Familiendramen made by Mikrokredite.

Da nicht nur der Balkan anscheinend wirklich an Absurdistan grenzt, machen sich die Banker des Westens um ihren Rest-Ethos hier keine allzu großen Sorgen. Mit dem Raiffeisen-Prinzip könnte man das ändern – das ist aber in diesen Ländern nahezu unbekannt. Das sollten wir so schnell wie möglich ändern – auch in den angeschlagenen Ländern der Eurozone. In Griechenland und Spanien wäre das genauso vonnöten. Wenn schon auf Regierungsebene keine wirkliche Hilfe geleistet wird, sollten die Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen.

Ausführlich nachzulesen unter: http://ichsagmal.com/2012/08/29/konzepte-gegen-die-gier-uber-die-renaissance-der-genossenschaften-mit-raiffeisen-die-finanzkrise-bewaltigen/

Ein schönes Beispiel aus Brasilien:

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Zukunft: Schon vorbei? von Heike Arnold


"Zukunft: Schon vorbei?" - Telearbeit anno 1998, Heike Anold mit Tochter Laura (Quelle: Allegra Women & Work).

Bild:“Zukunft: Schon vorbei?“ – Telearbeit anno 1998, Heike Anold mit Tochter Laura (Quelle: Allegra Women & Work)

Was hat die Zukunftsforschung Mitte der 1990er Jahre mit dem Einzug des Internets nicht alles vorhergesagt! Vom absehbaren Ende der klassischen Arbeit war die Rede. Von völlig neuen Lebens- und Arbeitsformen. Von grenzenloser Freiheit, die uns die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bescheren werden. Die Realität im Jahr 2012? Sieht anders aus!

Eine Reflektion von Heike Arnold

Was war ich damals stolz! Zu Recht durfte ich mich Anfang 1998 eine Pionierin auf dem Gebiet „Neuer Arbeitswelten“ nennen und mich über meinen ersten Innovationspreis freuen – den „Office 21-Award“, verliehen vom renommierten Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und dem Wirtschaftsmagazin impulse. In der Einladung zum Rahmenprogramm der Preisverleihung hieß es:

“Die Welt des Büros ist im Umbruch. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien verändern die Arbeit im Büro radikaler als je zuvor. Telearbeit, Hot-desking, Desk-sharing und Mobile-Working sind nur einige der derzeit diskutierten Ansätze. Neue Bürolösungen mit innovativen Produkten werden ein Arbeiten unabhängig von Zeit, Ort und Struktur ermöglichen.“ 
(Prof. E. h. Dr. h. c. Hans-Jörg Bullinger, Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation)

Vorsprung!

Neuland zu betreten mit dem, was man tut – das hat schon was ganz besonderes. Das ist aufregend! Das prickelt! Und vor allem: Es ist niemand da, der dir (vor-)sagen kann, wie du dein Ding zu machen hast. Der Alltag ist geprägt von „Trial and Error“ – „Versuch und Irrtum“, vor allem, wenn es um die Auswahl der richtigen Partner geht. Mitmachen wollen viele, aber nur wenige haben eine klare Vorstellung davon, wie sie die „virtuelle Zusammenarbeit“ organisieren wollen. Wird schon irgendwie gehen. Über E-Mail und Telefon. Doch geht das auch dann, wenn man sich persönlich nicht kennt?
Das war die alles entscheidende Frage, die vor allem die Forschung und die Medien seinerzeit interessierte. Zusammenarbeiten, ohne vorher gecheckt zu haben, ob die Chemie stimmt? Ob man sich überhaupt „riechen“ kann? Oder gar vertrauen?

Gleichgesinnt.

Den meisten Menschen, die mir damals begegneten, war dieser Gedanke suspekt. Und ist es bis heute geblieben. Ganz gleich, über welche technologischen Medien und Collaboration-Tools wir im Jahr 2012 auch verfügen – vom Internet, das uns Kommunikation in Echtzeit ermöglicht bis zum Smartphone, über das wir unser Leben zunehmend mit dem anderer vernetzen: Der Mensch als soziales Wesen kommt ohne reale Kontakte nicht aus.
Aus dem Networking der 1990er Jahre – dem „Arbeiten im Netz“ sind längst reale Veranstaltungen geworden, in denen – „face-to-face“ Kontakte geknüpft werden – Kontakte, die einen anderen Wert haben als jene, die über XING, Facebook & Co. zustande kommen. Doch damit nicht genug: Anstatt die technologischen Möglichkeiten für die „Work-Life-Balance“ zu nutzen oder „Beruf und Familie“ unter einen Hut zu bekommen, strebt die Mehrzahl der Kinder betreuenden Mütter „raus“ aus dem Alltag und „rein“ in den Betrieb – dorthin, wo man liebe Kollegen trifft, um „after Work“ gemeinsam zu chillen oder Probleme zu diskutieren. Selbstverständlich jederzeit für jeden via Handy erreichbar, wie es aktuell Trend ist. Zuhause arbeiten? Da sieht man ja nur den ganzen Tag die unerledigte Hausarbeit vor sich!

Rückschritt.

Burnout! Vorbei die Zeiten, in denen Mitarbeiter gut bezahlte Jobs hinschmissen für die Idee von „Arbeite, wo und wann du willst!“. Wir sind (fast) wieder da, wo wir vor Jahren standen. Das „Kleine“ hat sich nicht gegen das „Große“ durchgesetzt, wie Zukunftsforscher uns weismachen wollten. Die Karten werden wieder von Arbeitgebern gemischt. Wo und wann du arbeitest, bestimmt die Firma.
Wen wundert’s, dass kein Tag vergeht, an dem nicht in irgendwelchen Foren von „Burnout“ die Rede ist und von der Unzufriedenheit der Deutschen mit ihren Jobs. Für politische Aktivisten, die eine „sozialistische Demokratie“ in Deutschland fordern, ist das Klagen Wasser auf die Mühle. Aber: Sozialistisch? War das nicht das System, im dem zwar alle Arbeit hatten, aber der Einzelne keine Rechte und Freiheiten? Keine Selbstbestimmung? Keine Wahl?
Gewiss. Einfach ist es nicht, aus den Freiheiten und Rechten, die wir in der Bundesrepublik Deutschland haben, selbstständig etwas zu machen. Wer erreichen will, dass neue Arbeits- und Lebensformen sich durchsetzen und neue Technologien nicht nur die alten Klowände ersetzen, denen man seine Gedanken anvertraut – der muss AUFSTEHEN und MACHEN. Sich wehren, kämpfen, streiten. Um des Fortschritts willen.

Zukunft: In Arbeit!

Wir brauchen in den Betrieben aber nicht nur „rebellische“ Mitarbeiter, die verkrustete Strukturen aufbrechen. Wir brauchen auch Chefs und Manager, die in der Lage sind, Personal über räumliche Distanzen hinweg zu führen und Projekte mit virtuellen Teams zu managen. Wir brauchen Manager, die sich neuen Technologien nicht verweigern, sondern vorbildlich damit umgehen. Wir brauchen fortschrittliche Denker, die Medienkompetenz bei Mitarbeitern aller Ebenen fördern. Für die ein Home-Office selbstverständlich ist. Und wir brauchen vor allem VERTRAUEN. Darauf, dass (Arbeits-)Beziehungen bei guter Organisation auch dann funktionieren, wenn man sich nicht persönlich kennt.

Originaltext : Zukunft: Schon vorbei?

Über die Autorin:

Heike Arnold, Jahrgang 1959, lebt und arbeitet seit 2007 in Velden an der Vils. Die nebenberuflich als freie Fachjournalistin, Autorin und Online-Redakteurin tätige Unternehmerin (Kommunikation, Marketing, Text) gründete 1996 eines der ersten virtuell organisierten Dienstleistungsunternehmen in Deutschland. 2001 erschien bei der DVA „Das Webworker Handbuch. Wie man mehr vom Leben mit der Arbeit hat.“; 2004 folgte ein umfangreiches Online-Dossier (http://virtuelleunternehmen.wordpress.com/) über die Erfahrungen, die Arnold als Partnerin der Wirtschaft in mehrjährigen Forschungsprojekten des Bundes machen konnte. In ihrem Blog „Entwicklungen“ – Arbeit, Menschen, Technik“ teilt Arnold die Beobachtungen, die sie über den Wandel von Arbeitswelten – und darüber hinaus – macht. Mehr von und über Heike Arnold: http://twg-consulting.de/ ; http://heike-arnold.de/ ;http://heikearnold.wordpress.com/

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Lasst es uns bitte Internet nennen


Was es nicht alles gibt: Facebook-Berater, Xing-Strategen, Twitter-Experten – und alle sind sie Social-Media-Berater. Was die alles Tolles entwickeln: Facebook- & Twitter-Strategien, Xing-Konzepte und ganz wichtig eine Social-Media-Strategie. Es reicht! Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem der Begriff „Social Media“ bei mir Unwohlsein auslöst, und ich ihn einfach nicht mehr hören kann. Daher meine Bitte: Können wir Social Media nicht einfach wieder Internet nennen?

Drei Leute, drei unterschiedliche Begriffsdefinitionen von „Social Media“

Was auch unter anderem beim Round Table des Netzwerkes The Third Club im NRW-Forum in Düsseldorf klar wurde: Alle sprechen von Social Media, aber meinen nicht immer das Gleiche.

Video streaming by Ustream

Die einen übersetzen es mit dem deutschen Begriff „soziale Medien“ – da frage ich mich: Welche Medien sind denn bitteschön nicht sozial? Wieder andere bezeichnen mit Social Media fälschlicherweise die sozialen Netzwerke. Diese Liste könnte man jetzt noch beliebig fortsetzen. Eine Definition, die ich persönlich für sehr zutreffend halte, ist die folgende: „Social media is just a term to describe the current state of the internet.“ Und noch ein Satz aus diesem Artikel, der mir ein Lächeln auf das Gesicht zaubert: „It is not about having a social media strategy, it is about aligning social to your business strategy.“

Das große Ganze wird dabei gerne aus den Augen verloren

Viel zu oft habe ich das Gefühl, dass die sozialen Netzwerke losgelöst von allem Anderen betrachtet und Strategien formuliert werden, die nicht berücksichtigen, dass Facebook, Twitter & Co. genau wie eine Pressemitteilung, ein Mailing, ein Blogbeitrag, der Newsbereich einer Webseite oder der Service-Chat ein Instrument sind, um zu kommunizieren – nicht mehr aber auch nicht weniger. Was nützt es, eine Social-Media-Strategie zu haben, wenn diese nicht auf die strategische Ausrichtung des gesamten Unternehmens ausgerichtet ist? Genau. Nichts!

Das Pferd nicht von hinten aufzäumen

Im Idealfall sollte es doch so sein: Ein Unternehmen hat eine strategische Ausrichtung festgelegt. Im nächsten Schritt muss sich die Firma darüber Gedanken machen, welche Mittel – sprich welches Budget – zur Verfügung steht – und welcher Instrumente man sich bedient. Das Internet bietet verschiedene Möglichkeiten, die als Instrument zum Einsatz kommen können. Facebook, Twitter, Blogs oder Webseiten sind nur dafür Beispiele. Das bedeutet: Erst wird eine unternehmensweite Strategie festgelegt und DANN erfolgt die Auswahl der Instrumente. Und nicht: Oh, schau mal, wir sollten auf Twitter und Facebook aktiv werden, wir brauchen eine Social-Media-Strategie.

Und nochmal Chris Heffer:

„I believe that you should not be looking to just create a social media strategy. You should be looking to align social to your business strategy. Instead of thinking what can I do with social media, you should be thinking about how social media can help you do something you are already trying to do – just in a better way.“

Hört auf, über Social Media zu reden

Für diejenigen, die letztendlich die Corporate Blogs, Twitter- und Facebook-Auftritte der Unternehmen betreuen hat Brian Solis einen ernst gemeinten Ratschlag: „Stop talking about social media!“

Brian Solis weiter: „I’m often asked what advice do I have for social media strategists and managers. While my answer is below, the truth is that we have to stop talking about social media as the catalyst for earning internal support and instead view it as one of the enablers for transformation.“

Ich nehme den Mann beim Wort. Und wünsche mir: Lasst es uns wieder Internet nennen.

Originaltext: Lasst es uns bitte Internet nennen bei punktefrau-Blog

(Bildquelle: CC BY-ND 2.0 Fran Tapia| flickr.com)

Über die Autorin:

Christine Heller ist bei dem Kölner Markt- und Medienforschungsinstut result gmbh für die Off- und Online-Kommunikation zuständig. Privat schreibt sie auf ihrem punktefrau-Blog rund um die digitalen Medien und im Social-TV-Hub we.makesocial.tv über neue Entwicklungen aus der Fernsehwelt. Onlineprofile: http://twitter.com/punktefrau // http://www.punktefrau.de/blog/  //http://www.facebook.com/blogpunktefrau // http://www.xing.com/profile/Christine_Heller3

 

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Lieber CEO, sag mir WARUM!?


Originaltext aus „The Third Club„:  Lieber CEO, sag mir WARUM!?

Ralf Schwartz

WARUM stellt Ihr das her? WARUM verdammtnochmal steht Ihr jeden Morgen auf?

I. Prolog

Unsere Wirtschaftswoche-Online-Kolumne dieser Woche ist online: Liebe Werbung, sag mir WARUM?.

II. Das Dingens in der Mitte

Matthias hatte gestern zu unserer Wiwo-Kolumne eine Frage, die ich (auch) hier beantworten möchte, da meine Antwort während des Schreibens immer grundsätzlicher wurde. Matthias schrieb:

„… danke für den guten, wahren Text …
Was mich brennend interessieren würde:

Was glaubst Du, dass all diejenigen Unternehmen machen sollen/müssen/können, die gar kein Warum? haben? Sind die dazu verdammt, früher oder später automatisch zu verschwinden? Sind die Märkte stark und intelligent genug, um diese auszusortieren?

Oder ist es vielleicht so, dass ein Warum? jedem Unternehmen innewohnt, selbst wenn es tief verschüttet irgendwo unerkannt auf seine Wiederentdeckung wartet?

Und wenn ja, wie „zwingen“ wir Unternehmen dazu, diese verloren geglaubten Schätze zu heben und wieder in die Leitlinien zu integrieren? …“

Hier meine Antwort, die ich in ihrer Ausführlichkeit dem Wirtschaftswoche-Online-Leser nicht zumuten wollte:

Lieber Matthias,
Jedes Unternehmen hat mit der Antwort auf die Frage WARUM? begonnen, denn die zentrale Idee zur Gründung war die Lösung eines Problem, einer Sehnsucht, eines Traumes.
Damals waren die Chefs Gründer und blieben in der Folge Unternehmerpersönlichkeiten.
Später wurden die Unternehmen von Managern übernommen, das war in den allermeisten Fällen der Anfang vom Ende. Marken und Produkte verkamen zum bloßen Mittel zum Zwecke der Bonussicherung und einer aalglatten Karriere. Egal, ob es sich um eine Agentur oder das Unternehmen selbst handelte.

Viele erklären diese Entfremdung mit dem Lauf der Zeit, andere sagen, die Arbeitsteilung habe zur Entfremdung vom fertigen Produkt gehört – und zur Gleichgültigkeit ihm gegenüber.

(Das nachfolgend Eingerückte ist nicht Teil meiner Antwort in der Wiwo, rs)

Um es anders, vielleicht romantisch, zu erklären: Das ‚Feuer in uns allen‘ wurde immer unwichtiger, der ‚Neid in den Augen der anderen‘ wurde zum alles entscheidenden Trieb.

Unternehmen aber, die agieren, statt zu reagieren, Unternehmen, die eine Vision haben, nicht nur Quartalsziele, haben eine ganz andere Selbst-Bewußtheit, haben eine Innere Ruhe, eine Sicherheit, die sie schlafwandlerisch das Richtige tun lässt.

Ich weiß, das hört sich für manche sehr esoterisch an, aber genau das ist das Problem. Wir fühlen uns unserer Arbeit, unserer Leistung, unserem Unternehmen und unseren Marken nicht mehr verbunden.
Emotionen sind verpönt, scheinen Schwäche zu offenbaren…

… und doch träumen wir alle von der Liebe. Warum verdammtnochmal lassen wir sie dann nicht hinein in unsere Arbeit, in unser Leben, in unsere täglichen Begegnungen mit Kollegen, Lieferanten, Kunden?

Warum lieben wir nicht mehr, was wir tun? Warum ist unsere Arbeit nicht mehr unser Herzblut? Warum sind wir innerlich zu toten Zynikern geworden, die sich dem Wahnsinn der Normalität hingeben, aber keinen Millimeter mehr über die Stränge schlagen? Warum lieben wir es, so feige, angepasst und rückwärts-gerichtet wie alle anderen zu sein?

Wahren Erfolg kann man damit nicht haben. Wir schlagen uns so durch. Wahre Erfüllung kann man darin nicht finden. Wir ertragen es. Wahrnehmung und Sinne sind auf ein Minimum reduziert. Wir sind taub und blind.

Taub und blind. Denn alles andere würde uns zerreissen, würde uns weinend, schreiend, still zusammenbrechen lassen.

Geld muss uns wärmen, muss uns ablenken vom Schmerz. Und das gelingt immer seltener. Die Leere wird immer größer. Die Sehnsucht immer heftiger. Der Herzschlag immer kräftiger, der uns mahnt. Immer lauter, immer fordernder. Unerträglich. Geld immer weniger wert. Ersatzbefriedigung immer seltener wirksam. Profit immer profaner.

Und die meisten merken es nichteinmal. Wie also soll man ihnen helfen? Wie soll man sie zwingen? Wenn sie selbst nicht merken, dass sie selbst etwas ändern müssen, können wir ihnen nicht helfen. Waste of Time, Money, and Human Resources. Wir können nur mahnen – und es selbst besser machen.

III. Epilog

Ohne meine eingerückte Antwort zu kennen, kommt Daniela in ihrem Kommentar auf den Punkt, auf das Wort nämlich, das mir die ganze Zeit auf der Zunge lag, nicht aber aus meinen fleissigen Fingern floss: SEELE.

„Möchte man in verkrusteten Unternehmen, die auf der Stelle treten ernsthaft (!) ein Leitbild entwickeln, stehen wir immer wieder vor der Frage dieses Warums. Und wenn der Knoten nicht platzen will, fragen wir nach der Idee des Gründers, die es irgendwann einmal gegebem haben muss – für das Produkt, das Unternehmen. Ab diesem Punkt wird es meinstens konkret und bekommt wieder Seele. In diesem Sinne, schön gefragt, lieber Matthias und schön geantwortet, lieber Ralf.
Herzliche Grüße aus Mainz, Daniela“

Danke Daniela.

Über den Autor:

Ralf Schwartz ist Leadership Strategist und Co-Initiator von „The Third Club“. Zusammen mit Club-Co-Initiator Thomas Koch führt er die Agentur-Beratung Craft&Vision. Diese Kolumne beruht auf dem C&V-Blog.

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Können wir uns darauf einigen…?


Einer meiner Leitungskurse war Mathematik. Ich war nie besonders gut in Mathe (bzw. eher faul und zu aufmüpfig), aber es gab zwei Sachen, die ich daran praktikabel fand:

  1. Es gibt lediglich richtig und falsch. Grauzonen sind in einer Matheklausur definitiv nicht vorhanden. Entweder das Ergebnis stimmt oder eben nicht.
  2. Es ist simpel. Natürlich nicht die Berechnung dreidimensionaler Kugelscharen, aber die Basics. Irgendwann war einfach Schluss mit beweisen und man musste akzeptieren, dass 1+1=2 ist – sonst kommt man ja auch zu nix.

In unserem heutigen Social Media Knäuel fehlt beides. Statt einfach selbst darauf zu achten, was bei ihnen funktioniert und was nicht, ergehen sich Unternehmen und Berater in Entschuldigungen, Möglichkeiten, Theorien. Alles natürlich getragen von meinen Erzfeinden den “Studien“. Das wäre gar nicht so schlimm, würde das denn wirklich helfen. Allerdings haben wir es mit Menschen zu tun und die sind naturgemäß nunmal leider größtenteils unterschiedlich (ich weiß, was fällt denen ein?!). Wer da die “harten Fakten zum Erfolg” kennt, weiß sicherlich auch den perfekten Anmachspruch.

Das geht Hand in Hand mit der hausgemachten Verkomplizierung der ganzen Geschichte. Natürlich bietet Social Media aus der Natur der Sache heraus einfach Myriaden an neuen Variablen. Früher hieß “Customer Journey”, dass man mit einem Produkt mal besser, mal schechter in Berührung gebracht wird, in den Laden geht, sich beraten lässt (oder auch nicht), einkauft und geht. Heute könnte man theoretisch nahezu jeden Kontakt, jeden Schritt seiner Kunden begleiten und beeinflussen. Und das wird natürlich von vielen Wasserköpfen als Rechtfertigung genutzt, recht einfache Vorgänge unnötig zu komplizieren (wie sollte man auch sonst 500€/Kopf/Tag abrechnen sollen?). Aus 1+1=2 wird x1/y+(yz+1)=log25*10^-24

Entwirrung!

Und ja, ich versteh das alles auch. Manchmal sitz ich ebenfalss ne Stunde hier und versuch mein Gehirn wieder zu entwirren, weil ich mich im Social Media Netz verheddert hab – ein Netz, das ich selbst geknüpft habe. Umso wichtiger ist es, dass wir das Schlangenöl wegpacken und uns jetzt bitte endlich mal wieder auf ein paar einfache, logische Regeln besinnen.
Können wir uns also darauf einigen, dass

  • fröhliche Kunden mehr und öfter etwas kaufen insgesamt wertvoller sind als nicht fröhliche Kunden?
  • vom Hocker gehauene Kunden die besseren fröhlichen Kunden und das beste Marketing sind?
  • Vertrauen durch Ehrlichkeit, Authentizität, Transparenz, persönlichen Kontakt und Wertschätzung aufgebaut wird?
  • Wertschätzung bereits bei einem guten, vom Kunden her gedachten Produkt anfängt?
  • Menschen mit Menschen Beziehungen aufbauen und nicht mit Logos?
  • persönliche, positive Beziehungen die beste Kundenbindung sind, weil sich der Kunde freiwillig bindet?
  • dementsprechend Menschen die neuen Plakatwände sind und alles mit ihnen steht und fällt?
  • Vertrauen zu und gute Beziehungen mit diesen Menschen Kunden vom Hocker hauen?

Statt also jeden Furz zu zerreden, sollte man sich lieber mal wieder an diese ganz einfachen, logischen und eigentlich selbstverständlichen Axiome halten. Dass es wirklich Menschen/Agenturen gibt, die auch nur EINE SEKUNDE Arbeit darauf verwenden, zu “beweisen”, dass persönliche Empfehlungen ein starkes Kaufkriterium sind, ist unbeschreiblich lächerlich! Das muss man nicht beweisen. Da überlegt man 5 Sekunden!

Was steht als nächstes auf der Liste? Dass 84% aller 120 Befragten nicht bei Unternehmen kaufen, die sie wie den letzten Dreck behandeln? Dass man nicht den introvertierten IT-Nerd an die vorderste Servicefront packt? Dass ein Produkt einen lieber nicht umbringen sollte, weil das zu negativen Bewertungen führt? Wundern würde es mich jedenfalls nicht.

Können wir uns darauf einigen, dass wir die heiße Luft aus dem Ballon lassen und aufhören, wie ein paar Pseudodoktoranten die simpelsten Tatsachen mit pseudowissenschaftlichem Scheiß bis zur Unkenntlichkeit zu zertrümmern?

Danke!

Über eure Erweiterungen der Liste würde ich mich übrigens sehr freuen… euch fällt da bestimmt noch was ein :)

Über den Autor

Ich bin der Karsten. Unter dem schmissigen Titel “HellYeah Marketing” entdecke und entwickel ich Social Media Potenziale bei Unternehmen und stelle sicher, dass sie das alles auch richtig umsetzen.
Ausserdem twittere ich gern Quatsch, esse sehr gerne Kuchen und liebe jeden einzelnen meiner Fans und Follower (Wirklich! Ich würd glatt bei jedem mit der Gitarre unterm Fenster stehen und Liebeslieder singen…).“

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