#Strategie: Über das “ICH-Mensch”- Unternehmen und die alte Weisheit der Friseure


Friesuer

Zahlenmäßiges Wachstum reicht als Unternehmensziel heute nicht mehr aus. Die Führungsetagen müssen umdenken und ihren Kunden vor allem auch ein menschliches Gesicht zeigen, um sie auf Augenhöhe erreichen zu können. Überlegungen und Thesen darüber, worauf sich Unternehmen von nun an konzentrieren sollten.

Wir befinden uns mitten in einem Bewusstseinswandel

Die Menschen erwachen langsam aus einem jahrhundertealten Tiefschlaf. Dabei entwickeln sie eine neue Identität und finden im Netz schnell Gleichgesinnte, mit denen sie ihr neues Identitätsbewusstsein teilen. Und es werden immer mehr. Währenddessen denken traditionelle Unternehmen weiterhin in veralteten Mustern, deren Wirtschaftskultur so alt ist wie sie selbst.

Raus aus dem Hamsterrad der Zahlen

Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Zeit verbringt es mit sich selbst und umso weniger Zeit mit den Kunden und Mitarbeitern, seinem wertvollsten Kapital. Vorstandsentscheidungen beschränken sich auf die Wahrnehmung von Zahlen und die Umsetzung von Wachstumszielen, sie orientieren sich nicht an den Menschen. Sie sind lediglich Opfer des Wachstumsdenkens und Objekte von “Geschäftsgeheimnissen”. Eine vertrauensvolle Kundenbindung findet nicht statt.

Wie erreiche ich die Menschen dort, wo sie sind?

Das ist für mich momentan die Frage alle Marketingfragen: Wie erreiche ich die Menschen dort, wo sie sind? Werfen wir einmal einen Blick auf Facebook. Mein Tag beginnt mit dem Lesen der Neuigkeiten bei Facebook. Dort treffe und finde ich Unternehmen, Menschen und Gruppen, die für mich relevant sind. Dort ist meine persönliche Tageszeitung. Das bin ICH. Ich entscheide, wer oder was dazugehört, welcher Stimme ich vertraue oder nicht. Der Kern der Frage ist das “DORT”. Dabei geht es nicht um eine Ortsangabe oder ein bestimmtes Netzwerk, denn das Medium ist im Grunde egal. Es geht um die Wahrnehmungspräferenz der Menschen. Das was die Kunden SIND.

Diese auf Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen, wird immer wirkungsloser, denn Firmen können nicht mehr alles SEIN. Wenn Unternehmen weiterhin in alten Mustern des Massengeschäftes und von den Kunden als einer Zahl denken, ist der Misserfolg aus meiner Sicht garantiert. Stattdessen müssten sie in dieses ICH-Universum eintauchen, um erfolgreich zu sein. Das Gießkannenprinzip funktioniert nicht mehr. Traditionelles Marketing ist tot.

Victor Sahate: “Der Wert einer menschlichen Information wird immer größer sein als eine leblose Markenbotschaft … Die Veränderungen in der aktuellen Kommunikation brechen viele Grundhaltungen und Businessplanungen, vor allem bei den ´Großen`…”

Erst die Haare schneiden, damit sie stärker wachsen

Die digitalisierte und vernetzte Welt kann sich Veränderungen viel schneller anpassen als große Unternehmen. Sie scheitern an ihrer Größe und sitzen auf einem Riesen-Ich-Groß-Haufen. Von dort schießen sie auf alle Seiten, um zu sehen, ob es klappt. Die Methoden sind gruselig: Leistungsschutzrecht der Verlage und die Netz-Klassen-Gesellschaft der Telekom. Um den Ansatz einer ICH-Werdung voranzutreiben, ist eine umfassende Restrukturierung erforderlich, ein Neuanfang unter dem Motto: “Erst die Haare schneiden, damit sie stärker wachsen”.

Allein die Tatsache, dass Geschäftsführer ihre Mitarbeiter nicht alle persönlich kennen, ist für mich ein Zeichen, dass etwas schief läuft. Eine Restrukturierung ist bei der aktuellen Lage vieler Unternehmen heutzutage dringend nötig. Sonst steht uns ein großer Knall bevor. Es ist wichtig, ihn zu vermeiden, denn er wird für uns alle unschön. Daran hängen viele Arbeitsplätze und damit Überlebensgrundlagen.

Kunden sollen Dich lieben. Ich sage extra lieben: Es reicht nicht mehr aus, zufrieden zu sein. Ein Unternehmen sollte sich in der Zukunft strategisch so ausrichten, dass es zu einer Erweiterung des Kunden-SEINS werden kann. Dort ist kein Platz mehr für das Massengeschäft und für hypergroße Unternehmensstrukturen, denn sie können mit der Geschwindigkeit der Veränderungen in unserer aktuellen und zukünftigen Welt nicht mithalten.

Dafür sind in erster Linie Öffnung und Transparenz im Zusammenhang mit einer Annäherung von Unternehmen und Kunden notwendig. Könnten sie sich nicht so nahe kommen, dass sie sich nicht mehr voneinander unterscheiden? Dann wird Erfolg nicht ausbleiben. In diesem Sinne sollten Unternehmen auch eine eigene Identität bilden – eine echte, nicht vorgetäuschte – und Menschen werden. Gruppen von Menschen, die sich auf Augenhöhe mit ihren Mitmenschen befinden.

Die Zeit läuft. Automatisierung und Technologie sind nichts, wenn man sie nicht richtig einsetzt

Seit einigen Jahren haben die Unternehmen diese eigentlich richtige Sicht der Dinge vernachlässigt. Unter dem Druck der aktuellen Umstände (Internet, Finanzkrise etc.) müssen sie aus ihrem Hamsterrrad der Zahlen hinaus und der Entwicklung hinterherrennen. Sie müssen nun viel schneller reagieren, als sie eigentlich müssten, wenn sie ihre Energie vorher in die richtigen Bereiche investiert hätten: in die Bildung einer eigenen unternehmerischen Identität, in die Förderung der Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, in die Wahrnehmung der Kunden als Menschen, in die Entwicklung von Produkten, die sich an den Wahrnehmungspräferenz der Menschen orientieren, in die Beteiligung von Kunden und Mitarbeitern an Innovationsprozessen.

Also, liebe Unternehmen. In diesem Blogartikel ist das Wort “Mensch” 15 Mal vorgekommen. Also los! 🙂 – Zählt Ihr jetzt alle nach, ob es stimmt?!

Vernetzt Euch!

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4 Gedanken zu „#Strategie: Über das “ICH-Mensch”- Unternehmen und die alte Weisheit der Friseure

  1. Ein paar kluge Fragen. Das ICH dieses oft missverstandene Wesen, spielt in der Tat eine wichtige Rolle, nicht erst seit es die social media gibt. Das Selbst und damit das was wir Ich-Gefuehl nennen, ist ja eigentlich das was wir am besten kennen sollten. Ist das so oder handelt es sich hier nur um eine weitverbreitete Annahme ? Gibt es einen Unterschied zwischen Selbst und Ego ? Bilden Unternehmen ein eigenes Ego ? Sie, die Unternehmen behaupten es, da sie haeufig von einer Corporate Identity reden. Ist diese Identity hilfreich wenn es darum geht offen zu sein fuer den Wandel, fuer das Erkennen von Mustern die sich abzeichnen ?

    Da mache ich mal ganz grosse Fragezeichen, muss aber nun zu einem Termin, melde mich wieder.

  2. Nun dann versuche es es mal. Der Unterschied zwischen Selbst und Ego ist gewaltig. Das Selbst ist authentisch, frei von Anhaftungen und es bewegt sich im Hier und Jetzt unter zur Hilfenahme unseres sensoriellen Systems und unseres Vermutungswissens. Unser Selbst wird, wie es auch bei Unternehmen geschieht von unserem Ego ueberlagert, sehr oft gar voellig absorbiert. Das geschieht durch Konditionierung durch unsere Umwelt (komplizierter Prozess), daraus abgeleitete Modelle und fuehrt zu einer eigenen Identitaet, sprich einer Vorstellung davon wie wir die Welt sehen und interpretieren. Das Ego ist ein Produkt der Vergangenheit, weil es aus ihr alle Anhaftungen und Attribute erhielt, es neigt dazu nicht im Jetzt zu bleiben, sondern sich mit Vorstellungen aus der Vergangenheit, die eben dieses Ego kreierten zu beschaeftigen. Das Ego spielt sich in Rollen ab und ist gespickt mit Urteilen, Bewertungen, Meinungen, Richtlinien, ja oft Vorurteilen. Da es nicht intuitiv und gegenwartsorientiert ist, tendiert es zum „Messen und Wiegen“ und projeziert diese Werte meist linear auf die Zukunft. Da die Zukunft offen ist und ihr Prinzip der Wandel, scheint mir das nicht die beste Vorgehensweise zu sein. Nicht nur weil Innovation und Kreativitaet dabei auf der Strecke bleiben, sondern ebenso die unvoreingenomme Wahrnehmung von dem was wir Realitaet nennen. Eine interaktive Kommunikation ist so nicht moeglich, weil immer die erlernten Regeln, die gerade in Unternehmen zu einer Art Gesetz und Glaubenssystem werden, im Wege stehen. Daher fuehren Unternehmen eigentlich oft nur Selbstgespraeche. Eine ausblancierte Identitaet ist was Feines, auch fuer Unternehmen, so lange sie nicht vom Ego, in diesem Falle von der history, der Kultur, dem track record, der Marktstellung, dem image, der Tradition, der Struktur, etc; etc. ueberlagert wird und somit zu einer Last wird, die den Blick auf das Jetzt und seine unmittelbaren Herausforderungen stoert. In Bereich social media, scheint mir das besonders gefaehrlich zu sein, da so neue Muster und Entwicklungen schlicht verpennt werden, sprich auch Unternehmen muessen gerade heute wieder zu ihrem authentischen Selbst zurueckfinden, Fitness entwickeln und offene adaptive Systeme besser verstehen lernen. Fitness ist nicht statisches um kuemmert sich einen Dreck um eine tolle history oder einen glorreichen track record. Man hat sie JETZT oder nicht…

  3. Michael, das nenn ich mal ein wirklich gute kurze Interpretation von Ego und Selbst im Kontext von Unternehmen.
    Eine Vostellung davon, wie stark Unternehmenskulturen beharren können, darauf bin ich durch diese kleine Geschichte gekommen:
    Wie uns eine Geschichte über fünf Affen lehrt, warum wir von Gewohnheiten so schlecht lassen können.
    VG Martin

  4. maccoach sagt:

    Hat dies auf MacCoach rebloggt.

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