#Strategie: Über die Autokorrektur-Syndrom, Autonomie und die Suche nach neuen Denkstrukturen


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Foto ©: Michael Ammel – Waiting For Peace – 2450×1990 pixel, 300dpi

Ich lade Sie ein, mit mir eine Reise des Verstehens zu unternehmen. Ich bin schon seit jeher der Meinung gewesen, dass ein Unternehmen nichts anderes ist als eine Gruppe von Menschen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf und mit der Annahme, dass unser Leben das Produkt unserer Gedanken ist, versuche ich festzustellen, warum wir immer noch den Eindruck haben, dass das, was wir mit unserem Denken in der Welt produziert haben, uns noch nicht als Menschen verwirklicht.

Meine These ist, dass es wahrscheinlich mit Autonomie zu tun hat. Wir Menschen agieren heutzutage vor allem reaktiv. Ich bin der Meinung: Es ist Zeit fürs Umschalten. Wir sollten wieder anfangen zu agieren. Und mit einer Prise der Geheimlehre der Hermetik: “As above so below”, versuche ich eine Analogie zum Unternehmertum herzustellen.

Der Einfluss von Emotionen auf unser Denken

Wie erreichen Menschen Autonomie? Autonomie ist grundsätzlich in drei Bereichen möglich:

  1. Autonomie der Gedanken
  2. Autonomie in der Sprache
  3. Autonomie in unserem Tun

Grundsätzlich bedeutet: Egal was passiert, wir können denken, sprechen und handeln, wie wir es wollen. Abgesehen von Ausnahmezuständen, sind wir im Grunde völlig frei. Aber, wenn unser Leben das Produkt unserer Gedanken ist und wir uns über das Produkt beschweren, was ging denn da schief?

Die Unantastbarkeit des Denkens

Fangen wir mit dem Sprechen an. Das Sprechen könnte man mit körperlicher Gewalt unterbinden. Indem man uns beispielsweise die Zunge herausschneidet. Das Handeln könnte ebenfalls beschränkt werden. Indem man beispielsweise gefesselt wird. Richtig mächtig ist hier das Denken. Egal was passiert, die Autonomie des Denkens bleibt jedem Menschen immer unantastbar erhalten.

Ist unser Denken wirklich frei?

Ganz sicher ist, dass unser Leben das Produkt unserer Gedanken ist. Aber lassen Sie uns nun einen Zwischenstopp in der Vergangenheit machen. Bevor wir denken konnten, haben wir unsere Umgebung erfühlt. Wir fangen erst an zu denken, wenn wir die Welt erspürt haben. Stellen Sie sich einmal die Menge der Gefühle vor, die wir erlebten, als wir zum ersten Mal eine Stimme hörten. Als uns jemand zum ersten Mal angefasst hat. Als wir zum ersten Mal geatmet haben. Als wir zum ersten Mal ein kategorisches “Nein!” gehört haben.

Das ist sicher die Basis unserer emotionalen Struktur. Sie erst setzt unsere Denkprozesse in Gang und beeinflusst sie. Wir tendieren um die gleichen Gedanken zu kommen, wenn wir das gleiche spüren. Im späteren Alter entsteht daraus eine Art Abwehr. Denn wir wollen bestimmte Emotionen vermeiden, von denen wir inzwischen aus Erfahrung wissen, dass sie von unseren Mitmenschen negativ bewertet werden. Bei diesem Handeln schalten wir unmittelbar das Denken aus. Es handelt sich lediglich um eine Reaktion. In anderen Worten: Unser Denken ist nicht so Autonom wie wir es gerne hätten. Es wird direkt beeinflußt von unserer geformten emotionalen Struktur und ist gleichermassen Ergebnis dieser. Unsere Existenz ist sensorisch.

Wie können Unternehmen in diesem Sinne Autonomie erreichen?

Ich denke, dass die emotionale Struktur eines Unternehmens, ähnlich wie bei uns Menschen, ebenfalls durch entsprechende emotionelle Erfahrungen in der Vergangenheit geprägt wird. Reaktive Kräfte führen dazu, dass man bestimmte Situationen und Emotionen meidet, anstatt ihnen neu zu begegnen und sie zu gestalten. Das heißt mit anderen Worten: Wir leben meistens von der Vergangenheit und leiden kollektiv unter einem Autokorrektur-Syndrom.

Das Autokorrektur Symdrom: Um ein Beispiel zu nehmen, wir agieren und entscheiden wie die Autokorrektur für Textnachrichten in einem iPhone. In dem sie versuchen Fehler basierend auf automatische Formeln und Erfahrungen der Vergangenheit zu verhindern, und dadurch so viele neue Fehler machen. Werden Maschinen wirklich klüger als wir ? Sie widerspiegeln nur das was wir sind. Maschinen haben keine Autonomie. Wenn wir uns auf Maschinen verlassen, wie Glaskugeln um die Zukunft zu blicken ohne, dass wir unsere eigene ganzheitliche Autonomie erreichen, werden wir nicht weiterkommen.

Auf der Suche nach neuen Denkstrukturen

Das Einzige, dessen man sich im Leben sicher sein kann, ist die konstante Veränderung. Das gilt auch für Unternehmen. Veränderungen werden insbesondere durch die Vernetzung rasant zunehmen und erfordern, sich von alten Reaktionsmustern zu verabschieden und neue Denkstrukturen zuzulassen. “Erfolgsformeln der Vergangenheit sind schlechte Ratgeber für die Zukunft. Die digitale Transformation erfordert Out-of-the-box Denken” – Bernhard Steimel.

Unternehmen sollten wieder die Aktion der Reaktion vorziehen. Dafür brauchen sie Autonomie des Denkens in dem sie fortlaufend versuchen mit emotionalen Strukturen zu brechen in dem sie auf “sensorisch” umschalten.

Dies erfordert, vor allem jene strukturellen Ebenen in den Blick zu nehmen, wo strategische Entscheidungen getroffen werden. Meist sitzt dort eine Minderheit mit denselben extrem reaktiven emotionalen Verhaltens- und Entscheidungsmustern. Gunnar Sohn spricht über die fehlenden Außenposten in den sozialen Netzwerken, um eine Spürnase für den Wandel zu bekommen.

Ein Ansatz in den Weg zur Autonomie für Unternehmen ist nachzudenken wie strategische Entscheidungen getroffen werden und von wem. Mitarbeiter sind für Unternehmen hierbei das höchste Gut. Sie sind diejenigen, die an der Front sind. Das gilt ebenfalls für nicht Mitarbeiter, die das Produkt oder Dienstleistung konsumieren.

Der Erfahrungsschatz all dieser Menschen sollte in jede strategische Entscheidung mit einbezogen werden. So brechen Unternehmen mit festen emotionalen Strukturen, erreichen Autonomie des Denkens, Sprechens und Handelns, springen aus dem Hamsterrad des Autokorrektur-Syndroms, schalten sie sich auf “sensorisch” und rüsten sie sich für die Zukunft.

Methoden, um dies zu erreichen werden bereits entwickelt. Zum beispiel  „War-Gaming“ nach dem Motto: Sei der Feind!

Das Prinzip ist schnell erklärt: Ein Vorbereitungsteam entwickelt die Spielsituation mit der Beschreibung der Akteure. Zur Spielvorbereitung werden zusätzlich Internet-Startups eingeladen, um neue überraschende Attacken auf das Geschäftsmodell zu entwickeln. Denn der Blick der Fachleute aus der eigenen Organisation reicht für das Erkennen von Überraschungen der Zukunft nicht aus!

Wir warten auf andere Methoden Im Zuge der Zeit. Spannende Zeiten!

Vernetzt Euch!

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7 Gedanken zu „#Strategie: Über die Autokorrektur-Syndrom, Autonomie und die Suche nach neuen Denkstrukturen

  1. […] Foto ©: Michael Ammel – Waiting For Peace – 2450×1990 pixel, 300dpi Ich lade Sie ein, mit mir eine Reise des Verstehens zu unternehmen. Ich bin schon seit jeher der Meinung gewesen, dass ein Untern…  […]

  2. Ja, unser rationaler Denker sollte sich zugunsten des Fühlens häufiger mal zurückhalten. Und die Fühler mehr auszustrecken, sprich die Antennen der Mitarbeiter und Kunden zu nutzen, sollten deutich sensibler machen. Das ist sicher auch passiert, als die Einzeller begannen, sich im Verbund zusammenzuschließen …

    Eigentlich ein passender Artikel zum Rebloggen auf dem Blog der Initiative Wirtschaftsdemokratie

    VG Martin

  3. greich sagt:

    Danke Martin für das Kommentar. Sie sorgen seit einer Weile ordentlich für Inspirationen bei mir. Ich wundere dich für deine Ausdauer und Aufrichtigkeit. Wir brauchen dringend mehr Wirtschaftsdemokratie http://wirdemo.buergerstimme.com/

    Liebe Grüße
    Gustavo

  4. Michael sagt:

    Ein paar gute Fragen die da gestellt werden. Sprache ist Code, mehr nicht, sinnvoll, praktisch, relativ schnell um sich eher grobmaschig verstaendigen zu konnen. Unser Gehirn ist mit seinen linguistischen Filtern, wohl auch genetisch so ausgelegt um Sprache zu nutzen. Dazu haben wir uns den Dualismus ausgedacht, so dass wir immer brav unterscheiden koennen was gut und boese ist. Auch das ist prima so findet man sich besser zurecht. Mit Wirklichkeit hat das wenig zu tun. Wenn wir hier ankommen besitzen wir ein authentisches Selbst ohne Anhaftungen. Dann wird uns erzaehlt, du bist eine Junge, die Rolle der Jungen sieht so aus, du bist in eine Kultur hineingeboren, in eine Religion, in einen Staat mit einer Sprache etc. etc. Worauf ich hinaus will ist die totale Konditionierung des Menschen in ein eher lineares Weltbild. Ob Gedanken wirklich frei sind muss wenn man sich die letzten Ergebnisse der Neurologen ansieht mit einem Fragezeichen versehen werden. Es sieht z.Zt; so aus als wuerde das Gehirn bereits bevor wir eine Entscheidungeoption konstruiert haben, fuer uns entscheiden wuerde. Vielleicht ist ja diese Aufgabe des freien Willens ganz gut, koennte sie doch darauf abzielen sich mehr an die flexiblen Regeln komplexer adaptiver Systeme zu halten, welche Emergenz zulassen, aus der unser „Zukunftskonzentrat'“ bestehen koennte.

    Autonomie ist eine schoene Idee die gut klingt, naeher betrachtet werden aber aus scheinbar systembedingten Sachzwaengen heraus, schnell eingrenzende Rahmenbedingungen sichtbar, die natuerlich schnell systemrelevant werden (systemrelevant, alternativlos, ACHTUNG bitte). So entstehen Dogmen. Autonomie heisst aber, Frei – und Moeglichkeitsraeume voll nutzbar zu machen, auch auf die Gefahr hin zu scheitern oder ein Projekt einzustellen. Das ist eine der Voraussetzungen von Fitness, die unter allen Bedingungen die groesste Vielfalt fuer kluge Adaptation liefert; Uebertragen auf Unternehmen bedeutet das fuer mich ein Wertegeruest zu schaffen, welches eine grosse Basis abdeckt, sprich die Vorausetzung liefert in einer sich schnell veraendernden Landschaft klug und intelligent anzupassen.. Ein Wertegeruest orientiert an Profit oder Shareholder value ist m.E; zu kurzsichtig gedacht und wird die Menscheit in die Katastrophe fuehren.

    Maschinen werden eher nicht klueger als wir es sind. Wir erzeugen, sie ja und zudem wuerden wir derartige Entwicklungen, wohl auch nicht gutheissen. Sorry ich mach hier Schluss meine Brille hat ihren Geist aufgegeben und ich sehe sehr schlecht was ich da in die Tasten haue. Dem Autor ein Kompliment fuer diesen interssanten Beitrag, der uns von seiner Thematik noch laenger beschaeftigen wird.

    • Ja, sieht so aus, dass vieles im Unterbewusstsein schon zur Entscheidung gelangt ist und unser Bewusstsein dann nur noch das Organ ist, die Entscheidung zu verargumentieren und zur Ausführung zu gelangen. Wenn dem so ist, kommt es natürlich stark darauf an, was alles an Ein-drücken in unser Gehirn gelangt ist. Welche Meme uns im Sinne von Gedanken-Viren steuern. Und wir dürfen davon ausgehen, dass da ziemlich viel Eingeflüstertes in uns schlummert, was über Kirchen- und Gesellschaftsdogmen dafür sorgt, dass wir möglichst angepasst durch das Leben taumeln.

      Immer wieder schön ist dieser Vortrag von Vera F. Birkenbihl, die leider viel zu früh von uns ging:

  5. […] Zum kompletten Artikel:  Über das Autokorrektur-Syndrom, Autonomie und die Suche nach neuen Denkstrukturen […]

  6. FH sagt:

    Hat dies auf besserwerber rebloggt.

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