Archiv für den Monat Februar 2014

Ideen als Rohstoff der Zukunft – Daten, Information und Wissen


Gustavo Reich 2008

Daten, Information und Wissen beherrschen heute unseren Alltag. Diese drei Wörter sind heute überall durcheinander gewürfelt zu lesen, oft werden vor allem Data und Information als Synonyme behandelt. Wissen wird auf der einen Seite als Voraussetzung für Erfolg, Ruhm und Ehre dargestellt. Auf der anderen Seite wird Wissen als eine Art Produkt behandelt, das man sich kaufen kann, wenn nötig. Alles ein wenig nebulös. Ich halte es für sehr wichtig, diese Begriffe auseinanderzuhalten, denn genau hier könnte der Kern des Problems liegen, wie ich finde. Es ist Konsens, dass wir heute in einer Informations- oder Wissensgesellschaft leben. Dass heißt: Data, Information und Wissen spielen zunehmend eine maßgebliche Rolle in unserem Leben.

Daten

Daten sind nichts. Sie existieren einfach und haben keine andere Bedeutung außerhalb ihrer eigenen Existenz. Ohne irgendein Instrument kommen Daten nicht ans Licht. Wir können beispielsweise Wärme nicht sehen. Wir können sie aber spüren. Wenn sie nicht spürbar wäre, könnte eine Wärmebildkamera nichts ausrichten. Um Daten zu erfassen, brauchen wir Instrumente  biologischer oder technischer Natur. Die Daten werden dann gesiebt, kondensiert, organisiert, damit sie für den Erfasser einen Sinn ergeben. Bedeutend ist dabei der Faktor Mensch. Unsere Sichtweisen hängen immer von dem gesellschaftlichen Kontext ab, in dem wir uns bewegen. Kultur, Ethik, Moral, Berufsqualifikation, Nationalität, Wirtschaftssystem und vieles mehr entscheiden darüber, was wir sehen (wollen) oder was nicht.

Information

Daten werden durch Bedeutsamkeit zu Informationen. Ich “sehe” nur etwas, wenn es für MICH Bedeutung hat. Nur durch den Wahrnehmungsfilter einer spezifischen Relevanz gewinnen Informationen für eine Person oder Gruppen an Bedeutung.

Wissen

Information wird durch ihre Anwendung zu Wissen. Es steht für gesammelte praktische Erfahrung. Wissen besteht in der Regel aus wichtigen Errungenschaften, die in der Geschichte von Menschen oder Unternehmen eine positive Rolle gespielt haben. Dazu gehören ebenfalls negative Erfahrungen.

Daten werden in immer größeren Mengen vorhanden sein. Die Verfügbarkeit der Daten für den Menschen wird durch die vorhandenen Instrumente begrenzt und über unseren kognitiven Hintergrund definiert. Das bedeutet: Unmengen an Daten werden erst gar NICHT beachtet. Durch unzureichende Beobachtungsstrumente und vor allem wegen der blockierenden Relevanzfilter werden große Mengen an Daten nicht zu einer Information und nicht zu Wissen.

Wie viel mehr Wissen könnte zusätzlich entstehen, zum Beispiel für bessere Entscheidungen, wenn wir unser Relevanzfilter ein wenig durchbrechen; wenn wir zumindest ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass die Sicht auf Informationen durch die Relevanzbrille und ihre Nutzung als Produkt zum Nichtwissen beiträgt. Wäre das nicht ein Mehrwert für unser Informationszeitalter? Die Entwicklung eines neuen Umfeldes oder eine neue Kultur, in der Wissen und Nichtwissen Hand in Hand gehen und sich gegenseitig bedienen?

Das ungenutzte Potenzial ist groß. Wir brauchen neue Werkezuge dafür!

Vernetzt Euch!

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#Unternehmenskultur – Lässt sich eine Kultur aktiv verändern?


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Bild: Michael P.Ammel © exploring secrets

Man liest derzeit viel über die notwendige kulturelle Veränderung im Unternehmertum.  Nur, was versteht man unter Unternehmenskultur? Wie können wir Kultur überhaupt definieren und vor allem: Lässt sich eine Unternehmenskultur aktiv verändern oder steuern? Diese Fragen haben mich in jüngster Zeit sehr beschäftigt. Es ist mir bewusst, dass ich mich mit diesem Artikel auf schwierigen Pfaden bewege. Ich möchte trotzdem hier ein paar Gedanken niederlegen, die mir dabei eingefallen sind.

Die Definition hängt stark von ihrer Durchsetzbarkeit ab

Die Definition von Kultur ist irgendwie ein Wagnis. So komplex und so facettenreich. Das grundsätzliche Problem ist dabei nicht die Kultur als zu definierendes Subjekt an sich, sondern das Definieren selbst. Viele haben schon Kultur definiert. Die vorhandenen Erklärungen zeigen, dass es von der Wahrnehmung desjenigen abhängt, der definieren will. Das bedeutet: Die Definition ist das Resultat des Bewusstseins des Erklärers zum Zeitpunkt der Definition und entwickelt sich mit der Zeit weiter. Interessant zu beobachten war es, dass die Erklärungen letztendlich den Erklärer selbst erklären. Mit anderen Worten: Man hat ihn gut kennengelernt. Das kann man beispielsweise gut bei hochkomplexen und ungewissen Themen wie bei der Definition des Universums durch Weltallforscher beobachten. Die ganze Erklärung des Universums ist eine Widerspiegelung von uns selbst. Und offenbart damit den Erklärer selbst.

So weit so gut. Ausgehend von der Tatsache, dass es keine absolute Wahrheit gibt, die sich ebenso ändert wie unsere Wahrnehmung, ist für den Erfolg einer Definition entscheidend, ob man genug Ansehen besitzt, um sie in der Gesellschaft durchzusetzen, sodass sie akzeptiert und als Standpunkt – ich sag mal Wahrheit – verbreitet benutzt wird. Dieses “ungesprochene Gesetz” kam bisher aus oberen Gesellschaftsschichten, die meist ein gutes Ansehen genossen haben. Da wir immer ein Bedürfniss nach sicheren Standpunkten haben, lassen wir uns gerne von anderen sagen, woran wir glauben sollen. Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Kultur. Im Grunde entziehen wir uns unserer eigenen Verantwortung.

Trotz der Notwendigkeit von Regeln darf die Vielfalt nicht auf der Strecke bleiben

Kultur fühlt sich an wie eine Art Verhaltenskodex. Bei dem Begriff Kodex denken wir direkt an Regeln. Wir brauchen Regeln, das ist klar. Sie dienen der Organisation einer Gemeinschaft, die bestimmte Werte teilen und an ihnen festhalten will. Pure Regeln sind jedoch noch lange keine Kultur. Sie müssen vorher von uns “angenommen” werden – freiwilig oder nicht – und ein Standardverhalten schaffen, das sich konsekutiv wiederholt. Erfahrungsgemäß sehen wir, dass dieser Verhaltenskodex oft geduldet wird und eine zwingende Kraft besitzt. Zum einem, weil er schon da war, bevor man selbst Einfluss nehmen konnte, und zum anderen, weil man sich in einer Gemeinschaft angenommen fühlen möchte, selbst wenn einige mit den kulturellen Aspekten dieser Gemeinschaft nicht einverstanden sind. Das Ganze ähnelt einer Programmierung. Wir vergessen dabei nur, dass wir keine Roboter mit derselben Hardware sind. Wir sind Menschen, und Vielfalt ist unsere wertvollste menschliche Eigenschaft.

Was versteht man unter Unternehmenskultur? Erweiterte Gedanken.

Während meiner Auseinandersetzung mit dem Thema wurde mir klar, dass Kultur mit Werten zu tun hat, die einer angesehenen Minderheit entstammen – ob zu Recht oder nicht. Auch wenn wir frei sind zu tun, was wir wollen, besteht erheblicher Druck, diesen Werten zwingend zu folgen.  Unternehmen verfolgen in diesem Zusammenhang keine “Werte”, sondern “Interessen”. Sie müssen ertragsmaximierende Gedanken folgen. Diese sind keine wahre Werte. Da wir heute einen Großteil unseres Lebens bei der Arbeit verbringen, hat sich dieser kulturelle Aspekt des Unternehmertums auf unser Sozialleben außerhalb der beruflichen Tätigkeit übertragen. Menschen “bewerten” ihre Zeitgenossen wie Unternehmen ihre Mitarbeiter. Wer bis auf eine Spannweite aus der Reihe tanzt, wird ausgegrenzt. Die „Werte“ dienen eher der Trennung und Entfremdung.

Kultur ist “outcome”, also ein “Ergebnis”. Es hängt unabdinglich davon ab, was jeder einzelne tut. Die Unternehmenskultur ist das Endprodukt der zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Mitarbeitern, die Regeln verfolgen, nutzen, leben und verdauen. Die Regeln sind quasi das Futter, und die Kultur ist unsere Ausscheidung auf der Beziehungsebene.

Wie lässt sich eine Unternehmenskultur verändern? 

Das ist die Meisterfrage. Ich denke, die Kultur eines Unternehmens lässt sich in der Tat verändern, unabhängig vom Druck der Unternehmensinteressen, die im Deckmantel einer Unternehmenskultur daherkommt. Zwar ist ungewiss, ob eine Veränderung zu nachhaltigem Erfolg führt, denn es hängt  von den Mitarbeiter ab. Denoch gibt es sicher mögliche und wünschenswerte Ansätze vor allem auf der zwischenmenschlichen Ebene. Ich bin der Meinung eine Unternehmenskultur lässt sich auf der zwischenmenschlichen Ebene verändern.

Was meinen Sie? Kann eine Kultur aktiv verändert werden? Hängt es von uns ab? Welche wären die geeigneten Ansätze?

Vernetzt Euch!

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