Archiv der Kategorie: Kundenservice

Warteschleifen sind der Tod der Callcenter. Was auf das Management in Zukunft zukommen wird. Eine These.


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Foto: Ulrich Kamp / pixelio.de

Die Zahl der neuen Lösungen zur Verbesserung des Kundenservices im Internet wächst. Chat, Instant- Messaging-basierter Kundenservice, Live-Video, Co-Browsing etc. versprechen derzeit Einfachheit, persönliche Nähe und ein besseres Kundenerlebnis. Soweit, so gut. Click to Video, Click to Co-Browsing sollen dem Kunden den Kontakt zum Unternehmen vereinfachen. Lösen diese digitalen Service-Angebote aber die grundsätzlichen Probleme eines Contactcenter-Managers? Wie beispielsweise Wartezeiten und die Problematik der richtigen Einschätzung des Mitarbeiterbedarfs?

Ein Callcenter ist ein wesentlicher Kostenfaktor für Unternehmen. Im Massenkundengeschäft belaufen sich diese Kosten pro Sekunde Gesprächszeit bis auf 130.000 € (aus BBM-Projekten). Eine saftige Summe. Ein anderes Problem stellt die ungleiche Verteilung

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„Made in Germany“: #Smoope – Neuer Instant Messaging-basierter #Kundenservice im Interview


 

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Interview mit Eleftherios Hatziioannou Co-Founder Smoope GmbH

Lefti, auf der einen Seite spricht man heute über die Vorteile der asynchronen Kommunikation, auf der anderen Seite wird das Live-Gespräch 1 zu 1 mit Kunden Beispielsweise mit Ton und Bild wieder geschätzt. Aus deiner Sicht, wie sieht denn Kundenservice der Zukunft aus? Und welchen Kanal benutzt Du persönlich lieber?

Zunächst mal herzlichen Dank für das Interesse an smoope Service To Go – ich freue mich sehr, Eure Fragen zu beantworten und meine Sichtweise auf dieses spannende Thema zu teilen. Es geht auch gleich mit einer sehr spannenden Frage los. Meine Meinung ist, dass Unternehmen gesamtheitlich denken müssen. Dabei ist nicht entscheidend, wie sie selbst aufgestellt sind, sondern was der Kunde sich wünscht. “Customer Service/Experience” muss vom Kunden aus gedacht werden und nicht anders herum. Das heißt, dass sich das Angebot von Unternehmen am Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten von Menschen (Ihren Kunden) orientieren müssen. Im besten Fall sind Unternehmen überall dort, wo es Ihre Kunden erwarten. Aktuell stellen wir fest, dass sog. “Instant Messenger” sehr stark im privaten Umfeld genutzt werden. Sie ersetzen zunehmend Anrufe/ E-Mails und das auch aus gutem Grund: Effizienz, Schnelligkeit, Komfort und Transparenz sind einige der Vorteile, die das Instant Messaging bietet. Ich persönlich bin großer Fan von 1 zu 1 – egal in welcher Form. Hauptsache ich muss mich nicht mit Sprachcomputern und automatisierten Prozessen rumschlagen und ewig in der Warteschleife hängen. Am Ende des Tages möchte ich mein Anliegen platzieren und erledigen – möglichst schnell, effizient und komfortabel. Der mobile Kanal, den wir “Service To Go” nennen, hilft mir genau das zu tun und zwar von überall und jederzeit. Dennoch gibt es nach wie vor Dinge, die ich gerne von Angesicht zu Angesicht besprechen möchte – live vor Ort.

Eine der gängigen Argumentationen zur sicheren Nutzung von Facebook und Co. als Kundenkontakt-Kanal ist das Thema Datenschutz. Dabei werden Kunden bei bestimmten Anfragen in Sozialen Netzwerken zurück zu Email und/oder Telefon verwiesen. Wo werden die Kundendaten, die durch Smoope erledigt werden, gespeichert?

Als Social Media Manager der ersten Stunde für Mercedes-Benz bin ich ein großer Befürworter der sozialen Medien. Was mir dabei besonders gefällt ist die Tatsache, dass echter Kundendialog stattfinden kann. Was in den letzten Jahren jedoch aus dem Thema geworden ist, stimmt mich äußerst bedenklich. Es ist sehr “laut” geworden. Die Marketingmaschinerie ist zu Gange und es geht eben nicht mehr nur um Vernetzung, Interaktion, Dialog – sondern vor allem um Werbung in jedem möglichen Format. Facebook und Co freut das bestimmt.

Du hast auch Recht, dass Service über soziale Medien meistens nur eine “Zwischenstation” sein kann, denn die nötige Diskretion ist dort (leider) nicht gegeben. Also bringt man Kunden wieder in die klassischen Kanäle zurück: “Schicken Sie Ihre Anfrage bitte an “socialmedia(at)unternehmen.com”. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb wir mit unserer Lösung einen geschützten Bereich geschaffen haben, indem 1 zu 1 – Kommunikation stattfinden kann und Probleme direkt gelöst werden können. Es handelt sich nämlich um einen diskreten Kanal zwischen Unternehmen und ihren Kunden.

Als ein in Deutschland gegründetes und ansässiges Unternehmen unterliegen wir den deutschen Datenschutzbestimmungen, die sehr streng sind. Losgelöst davon handelt es sich beim Thema Datenschutz und Sicherheit, um Themen, die ganz oben auf unserer Prio-Liste stehen. Wir sind derzeit im Austausch mit Sicherheits- und Datenschutzexperten sowie Juristen, die uns helfen das richtige Fundament zu legen. Wir bereiten deshalb im Moment den Umzug in ein neues Rechenzentrum vor. Weitere Details hierzu folgen zeitnah. Wer nichts verpassen möchte, sollte uns auf Facebook und Twitter folgen.

Eine schnelle Kommunikation im Kundenservice führt zu einer gesteigerten Kundenzufriedenheit, heisst es. Kannst du uns einige Erfahrungen von den Unternehmen, die Smoope momentan bereits getestet haben, bezüglich Schnelligkeit und Effizienz der Erledigung der Anliegen nennen? Und in Verbindung mit der vorherigen Frage, wird den Kunden abschließend innerhalb von Smoope geholfen oder müssen sie ebenfalls den Kanal wechseln?

Schnelligkeit ist sicherlich ein Thema, das hilft, Kunden zufrieden zu stellen, aber vor allem wollen Kunden Ihre Anliegen platzieren und erledigt wissen. Service über smoope ist vergleichbar mit der privaten Kommunikation via Instant Messaging. Mal bekomme ich eine schnelle Anwort, mal kann es auch etwas länger dauern. Wichtig dabei ist nur, dass ich mein Anliegen adressiert habe und jederzeit Bescheid weiss, wie es um meine Nachricht steht: Wurde sie versendet? Wurde sie gelesen? Kümmert sich schon jemand darum? Diese Transparenz ist neben der zentralen Dokumentation von Service-Anfragen ein weiterer Vorteil von “Service To Go”.

Wir haben sehr mittlerweile viele Erfahrungswerte vom Einsatz in der Mobilfunkbranche. Mobilfunkshops gehörten zu den ersten Unternehmen, die unsere Lösung eingesetzt haben. Die durchschnittliche Antwortzeit beträgt etwa 30 Minuten. In den meisten Fällen ist es nicht notwendig den Kanal zu wechseln, man kann die Anfragen durch Nachrichten bzw. durch das Anhängen von relevanten Informationen (Support-Dokumente, Bilder, Videos) erledigen.

Die Bandbreite ist sehr gross: Vom Support bei der Einrichtung eines DSL-Anschlusses, über technische Fragen zum Smartphone bis hin zum Preis- und Tarifauskünften wurden bereits sehr unterschiedlichse Problemstellungen rein Instant Message-basiert gelöst. Im Durchschnitt sparen sich die Shop-Betreiber dadurch 3-4 Stunden netto pro Woche ein, da Sie nicht vor Ort mit Beschwerden zu kämpfen haben, Probleme schneller lösen und einfach schnell mal ein Dokument oder Link versenden, der die Lösung bereithält. Das lässt sich auch ganz gut mit dem Shop-Alltag vereinbaren. Mitarbeiter schauen einfach regelmäßig nach, ob es neue Anfragen gibt bzw. bekommen ein akustisches Signal, wenn dies der Fall ist.

Der mobile Kanal ergänzt den bestehenden Service Mix – er ersetzt ihn (im Moment zumindest) nicht. Nach wie vor haben persönlicher Service am POS, Telefon-Service, E-Mail/Kontaktformulare und Co. Ihre Daseinsberechtigung. Ob das in 5 Jahren noch so ist, wird sich zeigen. In den Unternehmen, in denen unsere Lösung eingesetzt wird, kam es zu einem deutlich geringeren Anruf- und E-Mail-Aufkommen. Es wäre aber zu früh, eine finale Bewertung abzugeben. Spannend wird sicherlich auch sein, zu sagen, wie sich die Empfehlungs- und Wiederkaufraten durch den Einsatz von smoope verändern. Dazu können wir vermutlich in den kommenden 12 Monaten mehr sagen. Ansonsten hoffen wir, dass sich die Marke smoope zu einem Synonym für großartigen Kundenservice und absolute Kundenorientierung entwickelt. Genau wie bei “Intel Inside” im Bereich der Prozessoren sollen Unternehmen von positiven Abstrahleffekten profitieren.

Bei der Gelegenheit des Interviews habe ich einige Kontakte in meinem Netzwerk nachgefragt, ob sie ebenfalls Fragen hätten. Frage von Andreas Klug Vorstand der  – ITyX Solutions AG Was ist Eure Strategie bezüglich der Kundengewinnung B2B und B2C? Größere B2B Kunden oder eher lokale Expansion?

Unsere Vision ist smoope zum branchenübergreifenden Service-Tool in jeder Hosentasche zu machen. Wir wollen die ganz persönlichen “Gelben Seiten” von Menschen sein, die sie sich selbst zusammenstellen. Darin sind alle Unternehmen zu finden, mit denen sie in Kontakt stehen möchten. Von A wie Autowerkstatt bis Z wie Zahnarzt. Das bedeutet, dass wir nicht nur bekannter werden müssen, sondern vor allem möglichst viele Unternehmen von unserem Ansatz überzeugen müssen. Der Wert unseres Tools steigt mit der Masse an Unternehmen, die mitmachen. Mit etwa 150 Kunden aktuell stehen wir noch ganz am Anfang. Einige spannende Cases sind bereits in unserer Pipeline, die das Thema noch breitenwirksamer streuen werden. Wie wir das Unternehmenswachstum weiter befeuern, möchten wir nicht öffentlich diskutieren, da es sich um einen wesentlichen Bestandteil unserer Strategie handelt. Einfach dabei bleiben und selbst miterleben – als Unternehmen oder mobiler Nutzer 😉

Frage von René Jacobi – Inside CC . Consultant bei Emphasis Consulting GmbH Wird es einen Web-Client geben, ist eine Einbindung in die Betriebssystem Windows 7/8 oder Mac OS X geplant?

Smoope APP

Smoope APP

Der Vorteil unserer Lösung ist, dass sie komplett web-basiert funktioniert. Auf Unternehmensseite handelt es sich um eine sog. Web App, die von jedem internetfähigen Gerät genutzt werden kann. Unsere Responsive Design-Lösung passt sich dem Screen der Service-Mitarbeiter an – egal ob er gerade am PC, Laptop, Tablet oder Smartphone sitzt. Das heißt, dass für die Nutzung von smoope – Service To Go – keinerlei spezielle Software und Hardware notwendig ist und auch keine Installation stattfinden muss. Eine weitere Besonderheit ist, dass unser System über bereitgestellte Schnittstellen, in bestehende CRM-Prozesse integriert werden kann.

Kunden hingegen nutzen eine mobile App, die genauso funktioniert, wie jeder herkömmliche Messenger aus. Aktuell bieten wir eine die App für iOS und Android-Geräte an.

Vielen Dank für das Interview, Gustavo! Bei Fragen und Anregungen stehen wir jederzeit zur Verfügung. Einfach App herunterladen (http://bit.ly/getsmoope), verifizieren und Smoope Service kontaktieren. Einfach, oder!? 🙂

Lefti, wenn es anders nicht geht, muss man eben selber machen. Gut so. Um so mehr freue ich mich darüber, dass es sich hier in Deutschland was bewegt.

Auch herzlichen Dank von mir. Ich wünsche Euch viel Erfolg! 

Vernetz Euch!

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Eleftherios Hatziioannou

Eleftherios Hatziioannou – vielen bekannt als „Lefti“- ist anerkannter Marketing und New Media-Experte. Er konnte während seiner langjährigen Tätigkeit bei der Daimler AG im Bereich Brand Communication viel Branding-Erfahrung sammeln und zuletzt als erster globaler Social Media Manager der Marke Mercedes-Benz Pionierarbeit leisten. Seit 2011 nutzt er diese Erfahrung, um internationale Kunden im Bereich digitale Transformation – mit speziellem Fokus auf soziale Medien und das dazugehörige Change Management  – zu beraten. Im Oktober 2013 hat er die smoope GmbH mitgegründet. Unter dem Motto „Service To Go“ bietet das junge Unternehmen eine Lösung für Instant Messaging-basierten Kundenservice. Seit August 2014 wird das smoope-Team durch den renommierten Hightech Gründerfonds unterstützt und befindet sich voll auf Wachstumskurs. Für mehr Informationen und Business-Anfragen: www.smoope.com

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#Werbung : Die tollen Sprüche sind passé. Es muss deutlich mehr her!


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Innovation schlägt gekaufte Aufmerksamkeit

Der Titel reimt so schön … Aber rosig sieht es in der aktuellen Werbewelt nicht aus. Unternehmen haben bisher mit gekaufter Aufmerksamkeit gearbeitet. So etwas macht keinen Spaß mehr, es ist total uncool. Heutzutage ist cool, wer sich im Netz von der Masse abhebt. Die große Kunst im digitalen Zeitalter besteht darin, dass die Menschen über dich sprechen und dadurch emotionale Werte schaffen. Damit das gelingt, sollte man aber auch ständig innovieren. Innovation wiederum schafft man nicht mit Publicity, sondern mit User Experience Design und Business Strategie. Altbackene Propaganda ist leblos und wird zunehmend wirkungsloser. Dies ist eine der größten disruptiven Kräfte der digitalen Technologie.

Wenn Werbung uns aus der Fassung bringt

Zur Erklärung meines Ansatzes übertreibe ich im nachfolgenden Beispiel. Wenn ein Waschmittelhersteller weiterhin erzählt, dass die wahre Frau ihr Glück, immer noch, findet, indem sie das Produkt des Herstellers nutzt und damit ihre Familie, den Hund, die Freunde und Nachbarn glücklich beziehungsweise neidisch macht, ist DAS heute niemandem mehr zu vermitteln! Na bitteschön …herzlichen Glückwunsch. Frauen geben lieber ihre Wäsche in die Waschmaschine, als in ein Prada-Geschäft zu gehen oder zum Friseur?

Ein Waschmittelhersteller sollte zunächst vor allen Dingen eine ernsthafte Untersuchung über Frauen und Männer und die Benutzung von Putz- und Waschmitteln machen. Sie sollten die Schwierigkeiten verstehen, die diese Frauen und Männer im Alltag mit diesen Aktivitäten haben. Wäsche waschen, trocknen und falten. Sie sollten das Verhalten und die Realität der Menschen zunächst verstehen, bevor irgendetwas gemacht wird.

Es wäre sinnvoll, sich Gedanken darüber zu machen, wie Hersteller diesen Prozess erleichtern könnten und genau DA dann investieren. Beispielsweise könnte ein Messbecher beim Sparen helfen. Möglicherweise hilft ein intelligenter Timer, der dir sagt, was und wie und mit welchem Mittel die Wäsche zu waschen ist. Oder ein Roboter, der die Wäsche eigenständig in die Waschmaschine legt. Und auf der anderen Seite wäre selbstreinigende Wäsche, die keine Waschmittel braucht, auch eine tolle Idee.

Also im Grunde etwas, das Mehrwert liefert. Wenn Sie heute Ihr Produkt cool vermarkten möchten, dann bitte mit Innovation! Seien Sie mutig. Experimenterfreude ist gefragt! Der Verbraucher will begeistert sein.

Ich sage: Schluss mit den alten hohlen Werbesprüchen. Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit und Ihr Geld damit. Wenn Ihr Produkt auch von anderen 20 Firmen hergestellt wird und genauso langweilig ist, dann seien Sie innovativ, vernetzen Sie sich mit allem, was da ist. Konzentrieren Sie sich auf die alltäglichen Probleme Ihrer Kunden. Denken Sie über das Produkt hinaus und kommen Sie mit etwas ganz Anderem auf den Markt. Investieren Sie in neue Ideen. Damit kommen wir weiter.

Nehmen wir dann die zwei letzten guten Beispiele

Google und Amazon konzentrieren sich auf Innovationen. Das eine Unternehmen produziert beispielsweise ein neues, einmaliges Glas mit nie gekannten Eigenschaften und wirft es auf den Markt. Das Produkt wird also bekannt gemacht! Im Internet wird es bemerkt und erhält Kommentare, Kritik und Verlinkungen.

Das andere Unternehmen kommt mit der Idee, eine Drohne zum Ausliefern zu nutzen, was eine Lieferung innerhalb einer halben Stunde verspricht. So, das ist es!

Vernetzt Euch! 🙂

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#CallCenter versus soziale Netzwerke


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Von Walter Benedikt – 3C DIALOG

Gustavo Reich stellt einleitend fest: „…, dass ein Telefonanruf in Sachen Schnelligkeit und Effizienz nicht zu schlagen ist.“ Weiter schreibt er „Die Zeit, die ich in der Warteschleife verbracht habe, war völlig in Ordnung“. Er endet mit der provokanten Frage, ob Call Center am Ende doch schneller seien und widerspricht damit auf der Basis seinen sicherlich ganz persönlichen Erfahrungen beispielsweise dem durchaus interessanten Artikel von Prof. Dr. Heike Simmet auf der CallCenter Expert-Site (One-to-One-Kommunikation hat ausgedient). Sie stellt die These auf, dass das klassische Callcenter mit der traditionellen One-to-One-Kommunikation den Anschluss an neue Entwicklungen verliere. Nach ihrer These verlieren Callcenter ihre Geschäftsmodelle. Zwei Welten, zwei Meinungen, sicherlich gibt es noch viele Meinungen zu diesem Thema. Doch was sagen die Call Center zu der Frage?

Als Geschäftsführer eines mittelständigen Dialogcenter, welches sich gerade im Bereich Social Media als Vorreiter versteht, möchte ich doch einiges anmerken und aus meiner Sicht die Fragen beantworten. Natürlich könnte ich jetzt sagen: Ja. Social Media löst alles, Kundenservice via Telefon benötigen wir nicht mehr, Google und das Web 2.0. beantworten die Fragen der Kunden. So beschreibt es Prof. Dr. Heike Simmet in ihrem Artikel „Google-Suche ersetzt den Call“. Oder „Ein Kontakt mit dem Unternehmen per Call erübrigt sich.“ Doch unser alltägliches Erleben im direkten Kontakt sowohl mit den Unternehmen, die uns beauftragen, als auch mit den Verbrauchern und Kunden, die an unseren Telefonen Rat und Hilfe suchen, ist ein anderes. Ich kann, ähnlich wie Gustavo Reich, immer wieder feststellen, dass eine direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch, oder auch von Telefon zu Telefon, eine hohe Daseinsberechtigung besitzt. Wir leben ja tatsächlich in einer Welt, die Multichannel ermöglicht. Ob ein Verbraucher sich nun via Telefon, Facebook, Twitter oder gar Google plus meldet und eine Antwort sucht, bleibt immer häufiger dem Verbraucher selber überlassen. Er hat häufig die Wahl und die Call Center respektive Dialogcenter sind verpflichtet, diese Kanäle zu bedienen. Je professioneller, je besser. Aber das alleinige Teilen von Wissen via Communities ist – so auch unsere Erfahrung – nicht immer die schnellste und effektivste Antwort. Der Nutzen einer traditionellen telefonischen Beratung nimmt dabei keineswegs ab. Daher optimieren wir vor allem die Schwachstellen wie etwa Warteschleifen, die wir am liebsten ganz vermeiden würden.

ein gesprochener Dialog von Mensch zu Mensch wird sicherlich niemals seine Daseinsberechtigung verlieren, dies ist der Mehrwert des Gespräches.

Einen Unterschied zwischen dem Service per „Social Media“ und einem Service-Anruf im Call Center sehen wir sehr deutlich. Ein jeder kennt es aus eigener Erfahrung: Der Griff zum Hörer löst zuweilen Probleme und beantwortet manche Frage wesentlich schneller als jede Form der schriftlichen Kommunikation. Denn im Gespräch lassen sich Nuancen erfassen und Nebensächlichkeiten können schnell ein Gesamtbild abrunden. Der Dialog ist hier das Schlüsselelement. Und ein gesprochener Dialog von Mensch zu Mensch wird sicherlich niemals seine Daseinsberechtigung verlieren, dies ist der Mehrwert des Gespräches.

Doch wir sehen auch den Mehrwert von Social Media, vor allem auch in Bezug auf Verbraucher Fragen. Es gibt Fragestellungen, die Antworten auf der Basis einer Diskussion suchen. Die viele Meinungen abfragen wollen. Ein Beispiel: Sie haben ein Problem mit Ihrer Nebenkosten Abrechnung. Klar können Sie sich in Foren über die aktuelle Rechtslage erkundigen, feststellen ob Sie eine „Einzelfall“ sind usw. Hierzu eignet sich das www klar besser. Wenn es aber letztlich um Ihre ganz persönliche Abrechnung mit Ihren persönlichen Daten und Fakten geht, gibt es wohl kaum eine sichere und schnellere Verbindung als das Telefon. Unternehmen, die vorrausschauen, nutzen diese Wege auf beiden Ebenen,  beobachten die sozialen Medien, stehen zum Dialog auf allen Ebenen bereit.

Dieses simple Beispiel zeigt, wie sich die Kanäle, und zwar alle, weiter vernetzen. Der Verbraucher ist erwachsen – dies ist unsere Erfahrung. Und er nutzt die Kanäle so, wie sie ihm am schnellsten weiterhelfen. Wir als Anbieter sollten uns weiterhin diesen Prozessen stellen und sie in unsere Welt integrieren. Gut, die Technik hat noch nicht durchgängig den Stand erreicht den wir uns wünschen. Daher testen wir noch mehrere Produkte. Die eingesetzten Lösungen bieten uns die Technologie an um alle Kanäle für unsere Auftraggeber „bespielen“ zu können. Weder sind Call Center dem Untergang geweiht, noch sind soziale Netzwerke die Antwort auf alle Probleme, die sich dem Verbraucher zuweilen eröffnen. Daher ist meine These und auch Empfehlung in Sachen Kundendialog: Know-how-Sharing sollten wir nutzen und konstruktiv einbinden, intern wie extern. Den Nutzen der klassischen One-to-One-Kommunikation müssen wir nicht in Frage stellen. Multichannel ist als Schlagwort veraltet, aber oft noch nicht einmal professionell eingeführt. Wir als Call Centerdienstleister fühlen uns mit unseren „geschulten Spezialisten“ gut aufgestellt, unabhängig ob Telefon oder für den „digitalen“ Dialog. Wie immer freue ich mich auf Meinungen und Antworten.

Zum Beispiel unter:

https://twitter.com/3cdialog

https://www.facebook.com/3CDIALOG

https://plus.google.com/104024293302813650857/posts

https://www.xing.com/companies/3cdialoggmbh

Über den Autor:

walter_benedikt_sWalter Benedikt ist der Geschäftsführer bei 3C DIALOG. Er kann auf 20 Jahre Berufserfahrung in der IT- & Telekommunikationsbranche zurückblicken, und ihm ist nicht nur die Kunden-, sondern auch die Anbieterseite bestens vertraut. Seine beruflichen Stationen führten ihn von der Telekom über Nixdorf und Nortel Networks schließlich im Jahr 2000 zu 3C DIALOG. Er ist verantwortlich für die Überwachung der operativen und der strategischen Prozesse innerhalb des Unternehmens. Seine Überzeugung in Sachen Social Media: „Social Media ist eine Kultur, keine Technologie.

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Über Werkzeuge als Selbstzweck, #Vertrauen und #Kundenservice von Michael Ammel


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The Gambler Universe Accelerates
Foto: Michael P. Ammel © ‎

Beitrag von Michael Ammmel

In Zeiten des multimedialen Superhypes …

Marketinghype auf allen Kanälen oder wie eine ursprünglich sinnvolle Idee ad absurdum geführt wurde. Wie sich eine ganze Branche zu einer Art Selbstzweck entwickeln konnte und es nicht einmal merkt, finde ich sehr bemerkenswert. Das Internet und die Sozialen Medien haben diesen Prozess beschleunigt, und man gewinnt den Eindruck, dass zum Innehalten und Nachdenken schlicht die Zeit fehlt. Problembewusstsein, wirkliches Problembewusstsein hat sich ohnehin fast aufgelöst. Probleme sind dazu da, sie dem Kunden einzureden und ihn zu verunsichern, damit er in den Haken beißt.

Es begann mit dem Telefon, einem Werkzeug, das uns ermöglichte Raum und Zeit zu überwinden. Es war und ist sinnvoll, es auch in der Wirtschaft zur schnellen Kommunikation mit allen daran Beteiligten zu nutzen. Dann entwickelte sich daraus schnell das Callcenter(Un)wesen, welches dem Einsatz dieses Werkzeugs Struktur, Ordnung und Professionalität geben sollte. Aus dem Werkzeug wurde schnell eine Industrie, die Hard-/Software und komplexe Beratung verkaufte, welche die Optimierung der Prozesse in Callcentern zum Ziel hatten. Da diese wie viele Entwicklungen aus den USA kamen, entstand eine neue Sprache, die mittlerweile bei manchem die eigene Sprache nahezu völlig ersetzt hat.

Hier einige Beispiele, die mir spontan einfallen: CRM, leads, inbound calls, outbound calls, ACD, call blending, call frequence, average call time, push, pull, call reaction times, lost calls, touchpoints, screening, prospect monitoring, conversion rates, retention calls, call center management, call center processing, available time, AHT, Agent, Auto responer, Occupancy, Churn Prevention, CTI, Dialer, expected wait time …etc., etc.

Ich könnte diese Seite ohne Problem mit weiteren Begriffen und Abkürzungen füllen. Jeden Tag kommen neue hinzu. Warum ist das so? Die Erklärung ist einfach. Damit ein Experte zum Experten wird, muss er eine Sprache sprechen, die seinem Kunden nicht sofort geläufig ist. Damit erzeugt er vermeintlich Kompetenz, da er über «Spezialwissen» verfügt, obwohl er über ganz banale und den meisten sehr geläufige Vorgänge und Ereignisse redet. Fragen Sie mal einen Experten, warum er das tut? Eigentlich haben die allermeisten darauf keine plausible Antwort oder aber sie verweisen darauf, dass der Ursprung der Begriffe nun mal in den USA liegen würde. Dass sie in Unternehmen mit Menschen reden, blenden sie bewusst aus, anders ist das nicht zu erklären. Ich selbst lebe in F und einer der negativsten Begriffe überhaupt heißt «Callcenter», wobei sich hier schnell das Wort «Terror» daran anschließt. Sagt uns das was? Ist hier vielleicht etwas grundsätzlich schiefgelaufen oder waren es mal wieder nur die berühmt, berüchtigten schwarzen Schafe? Also ich sehe da eher eine Herde mit schwarzen Schafen mit ein paar weißen Tupfern darin.

Es wird sich daher nichts ändern, denn die Infragestellung eigener Konzepte ist für die Experten nicht akzeptabel. Achten Sie bitte einmal darauf: Experten, die Kauderwelsch reden, sind in der Regel lernresistent, weil sie sich selten in Frage stellen und ihr Herrschaftswissen nicht aufgeben möchten.

Nachdem das Callcenter boomte bis nahe an die Implosion, enstand mit dem Internet und den Sozialen Medien ein mächtiges neues Element im Marketingmix, eine neue Dimension. Wie Sie jetzt sicher schon vermuten, musste nun eine neue Expertenwelt her mit neuem «Herrschaftswissen» und einer immensen Lawine neuer Begriffe. Die Krönung sind nun die Sozialen Medien, die natürlich, wie kann es anders sein, in den Marketingprozess integriert werden müssen. Die Begriffswelt dürfte dabei um den Faktor 3 zugenommen haben. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Beschäftigung und Kontrolle mit all diesen Werkzeugen nimmt mittlerweile sehr viel Zeit ein, bindet Ressourcen und kostet ein Vermögen. Eigentlich sind diese Werkzeug dazu da benutzt zu werden, um Vertrauen bei Menschen zu schaffen (ja die heißen immer noch so), um ihnen beim Kontakt auf einem «Touchpoint» ein Gefühl zu geben, sie seien hier willkommen und man nähme sich ihrer Wünsche und Fragen an. Die menschliche Eigenschaft «Authentizität» ist bei solchen Kontakten grundsätzlich von Vorteil. Um Vertrauen und Authentizität zu leben, braucht man allerdings eine Kultur und Werte, die verinnerlicht sein müssen. Vor dem Verinnerlichen kommt das Erkennen und nach ihm das Umsetzen.

Es ergibt keinen Sinn über noch so tolle Werkzeuge und Abläufe zu fabulieren, ohne eine Kultur zu entwickeln, in welcher Mitarbeiter aus ihrem eigenen Antrieb heraus Menschen emphatisch, vertrauensvoll und authentisch begegnen und ihnen aufrichtig behilflich sind. Auch dazu braucht es Vertrauen, aber auch Freiräume, die man zulassen muss. Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes Führung gefragt, bei der der Begriff «Nachhaltigkeit» nicht nur eine Worthülse sein darf. Nachhaltigkeit bedeutet, was oft vergessen wird, wandlungs- und anpassungsfähig zu bleiben, aber orientiert an Werten, die über den Tag hinaus Gültigkeit besitzen; ganz einfach deshalb, weil wir alle Kommunikation und Geschäfte mit Menschen betreiben, deren Gehirne und damit ihr Denken und Fühlen sich nicht im Zeitrhythmus irgendwelcher neuen Technologien verändern. Wer diese Problematik nicht sieht, der läuft Gefahr blind zu werden. Egal auf welche Website oder Medienplattform eines großen Unternehmens Sie auch gehen, Sie finden immer die gleichen Geschichten in leicht veränderten Varianten: Wir sind die Besten, die Größten, die Schnellsten, wir sind Erfolg und wollen sofort ihr Profil, jetzt, wir wollen Sie kategorisieren, Wettbewerber können Sie sich sparen. Um den Menschen ihre eigene Unwissenheit zu demonstrieren, gibt es zudem bei etwas komplexeren Produkten oder Dienstleistungen sogenannte «white papers» zum Herunterladen, in denen dem Leser subtil mit viel Kauderwelsch suggeriert wird, wie unwissend und abhängig er eigentlich ist.

Werkzeuge sind gut und wichtig, sie sind ein Teil des Fortschritts und der Veränderung, man muss sie klug implementieren, sie helfen aber nur dann, wenn man sie aus nachhaltigen Motiven heraus zum wirklichen Nutzen der Menschen einsetzt. Wenn sie zum Selbstzweck werden, führen sie sich selbst ad absurdum.

Über den Autor:

mpa13Mein Name ist Michael P. Ammel. Ich bin Coach und Mentaltrainer. Mein Coachingansatz beruht auf einem einfachen, klaren Grundprinzip, dass da heisst: Nur im Hier und Jetzt koennen wir wahrnehmen, agieren, denken, fuehlen und handeln. Die Vergangenheit ist Geschichte und Erinnerung, wir leben nicht mehr in ihr. Die Zukunft ist offen, ihr Prinzip ist der Wandel.  Sie finden bei mir  keine esoterische Beratung, schamanischen Reisen, Engelkontakte, Astrologie, Kartenlegen, Hellsehen oder Traumdeutungen. Wohlgemerkt, dies bedeutet nicht, dass Sie und ich keine Spiritualitaet besitzen wuerden. Spiritualitaet ist eine sehr persoenliche innere Geisteshaltung, nicht mehr und nicht weniger, sie manifestiert sich ausschliesslich, wie ich es umschreibe,  als eine Art wertvoller Essenz unseres Seins und nur im Hier und JetztMehr zu Herrn Ammel…

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